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UKW Abschaltung in Norwegen: Probleme mit DAB+ Empfang

Nach der UKW Abschaltung in Nordland, einer Provinz Norwegens, beklagen viele Radiohörer die schlechte Empfangsqualität des DAB+ Ensambles. Der größte kommerzielle TV Sender, TV2, berichtet darüber, dass viele Hörer schockiert wären über die DAB+ Qualität. 

Aber wie ist die Empfangssituation wirklich? Zum einen gibt es die offiziellen Karten der Sender, die in Nordland nur mehr über DAB+ zu empfangen sind: Die Karten von NRK und P4, abzurufen hier.

Nach diesen Karten sollte es im großen und ganzen keine Probleme geben. Die Nordland ansässige Lokalzeitung „Avisa Nordland“ wollte es genau wissen, und hat die Leser gebeten, selbst zu berichten, wie gut oder schlecht der DAB Empfang an ihrem Standort funktioniert. Das Ergebnis – hier abzurufen – sieht deutlich anders aus: Während etwa die 50.000 Einwohner zählende Stadt Bodo auf der Abdeckungskarte des NRK als komplett versorgt eingezeichnet ist, haben viele Leser von „Avisa Nordland“ Empfangsprobleme: Die Hälfte der 520 Empfangsberichte spricht zwar von gutem Empfang, ein Viertel jedoch von Störungen und das letzte Viertel hatte gar keinen DAB+ Empfang. (Stand 24.01., 17.00)

„Avisa Nordland“ hatte übrigens ursprünglich auf seiner Seite die Berichte seiner Hörer in die offizielle Karte des NRK eingezeichnet, um die Widersprüche sichtbar zu machen. Das kann die Zeitung jetzt nicht mehr – die Digitalradios pochen auf das Urheberrecht an der Karte und untersagen der Zeitung, ihre Abdeckungskarte zu verwenden…

 

 

 

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UKW Abschaltung in Norwegen: Peinliche DAB+ Panne.

Die ganze Welt blickt derzeit gebannt nach Norwegen. Seit einer Woche ist im Landesteil Nordland der UKW Empfang abgeschaltet – damit die Bewohner auf Digitalradio DAB umsteigen. Dumm nur, dass ausgerechnet ein paar Tage nach der Abschaltung DAB ausgefallen ist,  wie norwegische Medien berichten. 

Der Defekt einer Glasfaser hat vergangenen Mittwoch DAB zum Verstummen gebracht – und damit in Nordland – mangels UKW – das Broadcast-Radio generell. Der Norwegische Rundfunk NRK, der größte Privatsender P4 und der Netzbetreiber Norkring wurden zu Kulturministerin Linda Hofstad Helleland zitiert. Ergebnis der Unterredung: Das Netzwerk wird mit Back-Up Kabeln verstärkt.

Nach Angaben des NRK hat der Ausfall drei Stunden gedauert.

Allgemein, Broad(?)cast, DAB, Streaming

Tesla und DAB+: Mit OS 8.0 wird alles gut.

Bislang war die Tesla Radio App für DAB+ eher was für begeisterte Hochfrequenztechniker: Zuerst musste der Hörer eingeben, welchen Multiplex er hören möchte (etwa 11D in Wien), erst danach konnte der Suchlauf gestartet werden. Für den normalen User eine unüberwindbare Hürde (wer soll sich schon 11D merken…).

Seit dieser Woche ist alles besser: Tesla hat auch in Europa das Betriebssystem auf 8.0 aktualisiert – und siehe da, ein wirklich nettes Plattform-agnostisches Radio hineingezaubert:

UKW, Streaming-Sender (via TuneIn) und DAB+ können nebeneinander auf den Stationstasten abgespeichert werden; in diesem Beispiel KRONEHIT und Ö3 via UKW, Big City via DAB+ und KRONEHIT German Hiphop via Streaming. So wird Content King – und der Verbreitungsweg spielt die Rolle, die er aus der Sicht des Hörers spielen muss: Er hat einfach zu funktionieren, und ansonsten ist er egal!

Broad(?)cast

Praxistest: HD Radio – das amerikanische DAB+

Vergangene Woche war ich den den USA – und hatte in meinem Mietauto HD-Radio eingebaut. Da ich nach der  NAB Radio Show  noch ein wenig Zeit hatte, bin ich von Nashville über North Carolina nach Myrtle Beach (SC) gefahren, um das Wochenende noch am Meer zu verbringen. Auf dem etwa 10-stündigen Road-Trip im Volvo V60 T5 AWD hatte ich die Möglichkeit, ausführlich HD-Radio zu hören.

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HD Radio bringt – im Unterschied zu DAB+ – die digitalen Stationen im UKW Band zwischen 87,5 und 108 MHz unter – ohne dabei die bisherige Ausstrahlung von UKW Programmen einzuschränken. Auf dem Kanal eines analogen Hörfungprogramms haben die digitale Simultanausstrahlung des Programms sowie bis zu drei zusätzliche Digitalradioprogramme Platz.

So unterschiedlich die Technologie, so ähnlich die Erfolgskurve: HD-Radio ist etwa ähnlich erfolgreich (oder erfolglos), wie DAB+ in Deutschland. Wenige Konsumenten interessieren sich dafür, Smartphones und Streaming haben jeweils höhere Nutzung und Bekanntheit. Trotzdem gibt es in beiden Fällen bereits etliche Millionen verkaufte Exemplare, sodass erste Geschäftsmodelle in Reichweite rücken. In den USA spricht der Eigentümer der proprietären HD-Radio Technologie DTS von 40% Marktanteil in neuen Fahrzeugen; in einigen Gegenden wie Miami sollen schon 20% des Gesamtbestands an Autos mit HD-Radio ausgestattet sein.

DTS Chef Jon Kirchner hat auf der Radio Show allerdings das mangelnde Programmangebot beklagt, und hofft auf neue Investitionen der Programmbetreiber. Bislang wird HD Radio – nach einer Anfangseuphorie vor zehn Jahren – eher stiefmütterlich behandelt: Non-Stop Musikstationen ohne viel Marketing, Simulcast von Mittelwellen-Talksendern und Ausstrahlung von BBC Worldservice über einige NPR Stationen – das waren die Highlights, die mir auf meinem Roadtrip aufgefallen sind.

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Der Weg zu HD Radio ist für den Hörer aber auch etwas holprig. Zuerst muss er wissen, auf welchem analogen Radiokanal welche digitalen Programme „versteckt sind“. Dann muss er dieses Programm für etwa 7 Sekunden hören, danach erkennt der Tuner, dass die HD-Kanäle vorhanden sind, und danach kann man auf den HD-2, HD-3 oder HD-4 Sidechannel wechseln. Aber nur, wenn die Qualität des Signals gut genug ist. Im Bild oben ist sie es – die Farbe des HD Radios hat sich von weiß auf orange geändert, der HD-2 Kanal ist verfügbar. Wäre Spotify so aufgebaut, wäre es wohl kaum ein Erfolg geworden.

Das ist durchaus schade – denn die Idee, die Anzahl der Kanäle innerhalb des UKW Bands zu vervielfachen, ohne zusätzliche Kanäle wie etwa bei DAB/DAB+ zu belegen, ist mehr als reizvoll. Und manchmal funktioniert es auch, wie bei WJMZ:

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WJMZ spielt Adult R&B, auf HD2 gibt es Alternative Rock, auf HD3 mit „Chuck FM“ die lokale Version eines Jack/Bob FM-artigen-„we play what we want“-Classic Rock in coolem Gewand-Format. Und auf HD 4 der Simulcast von WTHZ, einer Urban-CHR Station aus einem benachbarten Sendegebiet. Alles natürlich stark komprimiert, aber mit gutem Processing durchaus anhörbar.

Die Navigation zu WTHZ ist allerdings was für Profis: Zuerst WJMZ einstellen, sieben Sekunden warten, dann dreimal auf den nächsten Sender weiterspringen, eine Sekunde warten, bis das HD-Signal gebuffert ist, und schon geht es los…für Normalbürger schwer zumutbar.

Mein Fazit: Gute Idee, schlechte Signalstabilität, und vor allem schlechte Navigation: Das Autoradio müsste in jeder Metro Area ein zentrales Programmdirectory bekommen, um dem User die Kanäle gezielt nach Name oder Genre aus Programmlisten anzubieten. Gleichzeitig sollten klare Marken auf HD senden (Disney, ESPN, CNN, Fox etc.), um den Usern klare Gründe zu geben, das Produkt auch zu nutzen.

Allgemein

Media-Analyse Audio – wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Mit den aktuellen Daten der Media Analyse Audio gibt es erstmalig eine konvergente Messung von UKW und Streamingradio. Schon bisher wurden Reichweiten für UKW und für Streamingradio veröffentlicht; wenn man aber wissen wollte, wie viele Hörer eines UKW-Programms auch den Stream des Programms hören, oder umgekehrt, wie viele nur UKW oder nur Stream hören, war man bislang auf mehr oder minder schlechte Schätzungen angewiesen.

Die Frage, wie viele zusätzliche Hörer ein Sender über den Stream erreichen kann, die er über UKW nicht erreicht, ist vor allem im Werbeverkauf relevant: Oft haben Agenturen argumentiert: „Wir buchen Spotify, aber nicht digitale Spots bei Radio-Angeboten, weil deren Hörer erreichen wir ohnedies über UKW, die Spotify Hörer nicht.“ Das war lange Zeit natürlich auch durch keinerlei Zahlen belegt (erst im Sommer diesen Jahres hat Spotify seine eigene Brutto/Nettoreichweitenzahlen veröffentlicht).

Oder anders gesagt: Die aktuelle Mediaanalyse gibt erstmals eine Antwort auf die Frage, um wie viel die Nettoreichweite eines Senders steigt, wenn man nicht nur UKW sondern auch in den Streams der Sender Werbung bucht.

Insgesamt hören pro Woche 59.071.000 Menschen in Deutschland Sender mit Radiowerbung (UKW+Stream), 2.142.000 hören pro Woche Webstreams mit Werbung, die in der AGMA erfasst werden. Betrachtet man UKW alleine, sind es 59.000.000 Hörer. Der Gewinn an Nettoreichweite auf Wochenbasis sind somit 71.000 Hörer; das bedeutet, dass nur etwa 3% der Webradiohörer als Nettoreichweite dazukommen; 97% der Webradiohörer hören – zumindest einmal in der Woche – auch UKW.

Anders präsentiert sich die Situation bei einer markenweisen  Betrachtung, hier am Beispiel der Energy-Kombis.

Radio Energy erreicht in der City Kombi pro Tag 913.000 Hörer über UKW, mit den Streams sind es 934.000 – die Nettoreichweite steigt durch die Streams um 21.000. Die Energy Streams (Simulcast + Webradio) erreichen gemeinsam 28.000 – das bedeutet: 75% der Energy Stream Hörer haben an diesem Tag Energy nur über Stream konsumiert, 25% haben Stream + UKW gehört. Wöchentlich sieht es so aus: 2.317.000 Hörer pro Woche für UKW, 2.379.000 für UKW und Stream gemeinsam, ergibt eine Steigerung der Nettoreichweite um 62.000. 117.000 Hörer haben insgesamt Energy Streams gehört; damit haben 54% der Stream Hörer Energy nur über Stream und nicht über UKW gehört – das bedeutet, dass über die Hälfte der Energy Streamhörer zur Nettoreichweite hinzugezählt werden können.

Genaue Ergebnisse können natürlich nur Zählungen anhand von Schaltplänen ergeben, die Zahlen von Radio Energy deuten jedoch klar darauf hin, dass die Investition in Streamingspots (Preroll, Midroll) die Nettoreichweite klar erhöht; als Schätzwert kann man mal die halbe Bruttoreichweite der Streamhörer annehmen.

Broad(?)cast, Streaming

Spotify hinter Radio – so schneidet Spotify in den eigenen Studien ab

Ist Streaming denn überhaupt Radio? Was wurde und wird über die Frage gestritten. Wenn Hörer sagen, es ist Radio, und Werbekunden sagen, es ist Radio, dann ist es eben Radio – egal ob die etablierten UKW/DAB oder sonstigen Sender das anderes sehen wollen.

Spotify arbeitet genau darauf hin, von Werbekunden als Radiosender wahrgenommen zu werden. Da Spotify in keinem Land durch die etablierten Radioreichweitenmessungen erhoben wird – etwa Rajar (Tagebuch) in Großbritannien, Mediaanalyse (CATI) in Deutschland oder TNS-Gallup (elektronisch, personal people meter, ppm)  in Dänemark – haben sie jetzt gemeinsam mit TNS ihre eigene Studie auf den Markt gebracht.

Die Studie darf getrost als Frontalangriff auf die Budgets der UKW Sender gesehen werden – denn Spotify ist darauf aus, den Werbetreibenden zu beweisen, dass die Nettoreichweite einer Kampagne erhöht werden kann, wenn ein Teil des Budgets von einem Radiosender auf Spotify umgeschichtet wird.

Beispiel: Kunde bucht um 50.000 Euro Station X, erreicht 100.000 unterschiedliche Hörer in einer Woche (=Nettoreichweite pro Woche), wenn er aber nur 40.000 Euro in Station X investiert, und 10.000 Euro in Spotify, erreicht er 125.000 unterschiedliche Hörer – mit dem gleichen Geld. Spotify ist also nicht darauf aus, neue Kunden für Audiowerbung zu begeistern, sondern bedient sich lieber bei den Kunden, denen die Vorteile von Audiowerbung bereits geläufig sind, weil sie ja Radio bereits buchen. Verständlich aus Spotify-Sicht – zumal die bisherige Philosophie, Free-Kunden auf Premium upzusellen, noch nicht in die schwarzen Zahlen geführt hat. Bislang tragen die 25% der Kunden, die für Spotify zahlen, 91% zum Umsatz bei  (schreibt der Guardian)- die restlichen 75%, die sich im Free Modell durch Werbung rechnen wollen, nur 9%. Jetzt orientiert man sich strategisch mehr an Pandora, wo Werbeumsätze deutlich vor Abo-Erlösen liegen. (siehe Pandora Geschäftsbericht 2014)

Obwohl die Download-Version der Studie eine reine Pro-Spotify Verkaufsunterlage ist, kann man ein paar interessante Details über die Reichweite von Spotify herauslesen bzw. herausrechnen:

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Spotify liegt bei der Wochenreichweite hinter den UKW Platzhirschen, aber Frankreich ist für Spotify auch ein besonders undankbarer Markt, weil dort Deezer sehr stark ist.

Im Gegensatz dazu ist Schweden für Spotify ein Heimspiel; seit 2008 ist Spotify dort auf dem Markt. Aber auch in Schweden ist Spotify bei der Wochenreichweite nicht vor den UKW Sendern – nach von Spotify veröffentlichten Zahlen.

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Feines Detail: In Schweden misst Spotify in der Zielgruppe 16-64, in Frankreich war es 20-49. Ein anderes Bild zeichnet sich in Großbritannien ab – hier liegt Spotify Kopf an Kopf mit (aber doch hinter zwei) kommerziellen Stationen (BBC Radio 1 wurde in der Studie offenbar nicht erhoben bzw. nicht ausgewiesen, weil werbefrei)

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Die Stärke von Streamingdiensten in Großbritannien, die ja schon im Ofcom Communications Market Report 2014 zum Ausdruck kam, bestätigt sich auch in der Spotify-Studie.

Und in Deutschland? Hier hat das führende Branchenportal radioszene.de schon im Juli Spotify Daten veröffentlicht – und zwar für Hamburg:Und auch aus diesen lassen sich wieder die Wochenreichweiten – hier misst man in der Zielgruppe 15-64 – berechnen:

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Noch ein Hinweis zur Berechnung: Die dargestellten Reichweiten sind immer die Summe aus nur Radiosender/nur Spotify gehört und den sowohl Spotify als auch Radiosender-Hörern. Durch die Addition der beiden Zahlen kann der Rundungsfehler – zusätzlich zu den empirischen Schwankungen der Studie – nochmals +/- 1 Prozentpunkt betragen.

Streaming

Neue market-Studie: Verliert Radio seinen Platz am Smartphone?

Das österreichische Marktforschungsinstitut market aus Linz hat soeben eine neue Studie veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem erhoben wozu Smartphones am meisten verwendet werden. Da market Studien dieser Art schon länger durchführt, kann man die Trends gut beobachten. Befragt wurden 512 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren.

Für die Tätigkeit „Radio Hören“ ergibt sich dabei folgender Verlauf:

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Die Radionutzung am Smartphone ist rückläufig – pro Smartphone-User; ein Effekt, der einige Zeit lang durch die starke Zunahme der Zahl der Smartphone-User kompensiert wurde.
Die gute Nachricht dabei: Audio, Musik und Streamingangebote spielen nach wie vor eine große Rolle am Smartphone – „Video Killed the Radio Star“ lässt sich aus folgenden Zahlen jedenfalls nicht ableiten, eher eine Substitution des Radios als Audio-Musikquelle durch andere Musikquellen am Smartphone:

graph AAA

Musikmedien haben also durchaus Potential am Smartphone – der reine Radio-Simulcast weniger. Radio-Apps haben demnach Wachstumspotential, wenn sie verstärkt Musikangebote aufs Smartphone bringen – personalisiert, interaktiv (skipbar), und mit ansprechender visueller Oberfläche. Die Konkurrenz sind weniger die anderen Sender und deren Apps, als Pure-Streams (Spotify, Deezer, in den USA Pandora) – und hier hat die Radiobranche einen ungeheuren Aufholbedarf was User Interfaces, Big Data und Rechtefragen betrifft.