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Media-Analyse Audio – wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Mit den aktuellen Daten der Media Analyse Audio gibt es erstmalig eine konvergente Messung von UKW und Streamingradio. Schon bisher wurden Reichweiten für UKW und für Streamingradio veröffentlicht; wenn man aber wissen wollte, wie viele Hörer eines UKW-Programms auch den Stream des Programms hören, oder umgekehrt, wie viele nur UKW oder nur Stream hören, war man bislang auf mehr oder minder schlechte Schätzungen angewiesen.

Die Frage, wie viele zusätzliche Hörer ein Sender über den Stream erreichen kann, die er über UKW nicht erreicht, ist vor allem im Werbeverkauf relevant: Oft haben Agenturen argumentiert: „Wir buchen Spotify, aber nicht digitale Spots bei Radio-Angeboten, weil deren Hörer erreichen wir ohnedies über UKW, die Spotify Hörer nicht.“ Das war lange Zeit natürlich auch durch keinerlei Zahlen belegt (erst im Sommer diesen Jahres hat Spotify seine eigene Brutto/Nettoreichweitenzahlen veröffentlicht).

Oder anders gesagt: Die aktuelle Mediaanalyse gibt erstmals eine Antwort auf die Frage, um wie viel die Nettoreichweite eines Senders steigt, wenn man nicht nur UKW sondern auch in den Streams der Sender Werbung bucht.

Insgesamt hören pro Woche 59.071.000 Menschen in Deutschland Sender mit Radiowerbung (UKW+Stream), 2.142.000 hören pro Woche Webstreams mit Werbung, die in der AGMA erfasst werden. Betrachtet man UKW alleine, sind es 59.000.000 Hörer. Der Gewinn an Nettoreichweite auf Wochenbasis sind somit 71.000 Hörer; das bedeutet, dass nur etwa 3% der Webradiohörer als Nettoreichweite dazukommen; 97% der Webradiohörer hören – zumindest einmal in der Woche – auch UKW.

Anders präsentiert sich die Situation bei einer markenweisen  Betrachtung, hier am Beispiel der Energy-Kombis.

Radio Energy erreicht in der City Kombi pro Tag 913.000 Hörer über UKW, mit den Streams sind es 934.000 – die Nettoreichweite steigt durch die Streams um 21.000. Die Energy Streams (Simulcast + Webradio) erreichen gemeinsam 28.000 – das bedeutet: 75% der Energy Stream Hörer haben an diesem Tag Energy nur über Stream konsumiert, 25% haben Stream + UKW gehört. Wöchentlich sieht es so aus: 2.317.000 Hörer pro Woche für UKW, 2.379.000 für UKW und Stream gemeinsam, ergibt eine Steigerung der Nettoreichweite um 62.000. 117.000 Hörer haben insgesamt Energy Streams gehört; damit haben 54% der Stream Hörer Energy nur über Stream und nicht über UKW gehört – das bedeutet, dass über die Hälfte der Energy Streamhörer zur Nettoreichweite hinzugezählt werden können.

Genaue Ergebnisse können natürlich nur Zählungen anhand von Schaltplänen ergeben, die Zahlen von Radio Energy deuten jedoch klar darauf hin, dass die Investition in Streamingspots (Preroll, Midroll) die Nettoreichweite klar erhöht; als Schätzwert kann man mal die halbe Bruttoreichweite der Streamhörer annehmen.

Broad(?)cast, Streaming

Spotify hinter Radio – so schneidet Spotify in den eigenen Studien ab

Ist Streaming denn überhaupt Radio? Was wurde und wird über die Frage gestritten. Wenn Hörer sagen, es ist Radio, und Werbekunden sagen, es ist Radio, dann ist es eben Radio – egal ob die etablierten UKW/DAB oder sonstigen Sender das anderes sehen wollen.

Spotify arbeitet genau darauf hin, von Werbekunden als Radiosender wahrgenommen zu werden. Da Spotify in keinem Land durch die etablierten Radioreichweitenmessungen erhoben wird – etwa Rajar (Tagebuch) in Großbritannien, Mediaanalyse (CATI) in Deutschland oder TNS-Gallup (elektronisch, personal people meter, ppm)  in Dänemark – haben sie jetzt gemeinsam mit TNS ihre eigene Studie auf den Markt gebracht.

Die Studie darf getrost als Frontalangriff auf die Budgets der UKW Sender gesehen werden – denn Spotify ist darauf aus, den Werbetreibenden zu beweisen, dass die Nettoreichweite einer Kampagne erhöht werden kann, wenn ein Teil des Budgets von einem Radiosender auf Spotify umgeschichtet wird.

Beispiel: Kunde bucht um 50.000 Euro Station X, erreicht 100.000 unterschiedliche Hörer in einer Woche (=Nettoreichweite pro Woche), wenn er aber nur 40.000 Euro in Station X investiert, und 10.000 Euro in Spotify, erreicht er 125.000 unterschiedliche Hörer – mit dem gleichen Geld. Spotify ist also nicht darauf aus, neue Kunden für Audiowerbung zu begeistern, sondern bedient sich lieber bei den Kunden, denen die Vorteile von Audiowerbung bereits geläufig sind, weil sie ja Radio bereits buchen. Verständlich aus Spotify-Sicht – zumal die bisherige Philosophie, Free-Kunden auf Premium upzusellen, noch nicht in die schwarzen Zahlen geführt hat. Bislang tragen die 25% der Kunden, die für Spotify zahlen, 91% zum Umsatz bei  (schreibt der Guardian)- die restlichen 75%, die sich im Free Modell durch Werbung rechnen wollen, nur 9%. Jetzt orientiert man sich strategisch mehr an Pandora, wo Werbeumsätze deutlich vor Abo-Erlösen liegen. (siehe Pandora Geschäftsbericht 2014)

Obwohl die Download-Version der Studie eine reine Pro-Spotify Verkaufsunterlage ist, kann man ein paar interessante Details über die Reichweite von Spotify herauslesen bzw. herausrechnen:

spotifyfrance

Spotify liegt bei der Wochenreichweite hinter den UKW Platzhirschen, aber Frankreich ist für Spotify auch ein besonders undankbarer Markt, weil dort Deezer sehr stark ist.

Im Gegensatz dazu ist Schweden für Spotify ein Heimspiel; seit 2008 ist Spotify dort auf dem Markt. Aber auch in Schweden ist Spotify bei der Wochenreichweite nicht vor den UKW Sendern – nach von Spotify veröffentlichten Zahlen.

spotifysweden

Feines Detail: In Schweden misst Spotify in der Zielgruppe 16-64, in Frankreich war es 20-49. Ein anderes Bild zeichnet sich in Großbritannien ab – hier liegt Spotify Kopf an Kopf mit (aber doch hinter zwei) kommerziellen Stationen (BBC Radio 1 wurde in der Studie offenbar nicht erhoben bzw. nicht ausgewiesen, weil werbefrei)

spotifyuk

Die Stärke von Streamingdiensten in Großbritannien, die ja schon im Ofcom Communications Market Report 2014 zum Ausdruck kam, bestätigt sich auch in der Spotify-Studie.

Und in Deutschland? Hier hat das führende Branchenportal radioszene.de schon im Juli Spotify Daten veröffentlicht – und zwar für Hamburg:Und auch aus diesen lassen sich wieder die Wochenreichweiten – hier misst man in der Zielgruppe 15-64 – berechnen:

hamburg

Noch ein Hinweis zur Berechnung: Die dargestellten Reichweiten sind immer die Summe aus nur Radiosender/nur Spotify gehört und den sowohl Spotify als auch Radiosender-Hörern. Durch die Addition der beiden Zahlen kann der Rundungsfehler – zusätzlich zu den empirischen Schwankungen der Studie – nochmals +/- 1 Prozentpunkt betragen.

Streaming

Neue market-Studie: Verliert Radio seinen Platz am Smartphone?

Das österreichische Marktforschungsinstitut market aus Linz hat soeben eine neue Studie veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem erhoben wozu Smartphones am meisten verwendet werden. Da market Studien dieser Art schon länger durchführt, kann man die Trends gut beobachten. Befragt wurden 512 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren.

Für die Tätigkeit „Radio Hören“ ergibt sich dabei folgender Verlauf:

graph

Die Radionutzung am Smartphone ist rückläufig – pro Smartphone-User; ein Effekt, der einige Zeit lang durch die starke Zunahme der Zahl der Smartphone-User kompensiert wurde.
Die gute Nachricht dabei: Audio, Musik und Streamingangebote spielen nach wie vor eine große Rolle am Smartphone – „Video Killed the Radio Star“ lässt sich aus folgenden Zahlen jedenfalls nicht ableiten, eher eine Substitution des Radios als Audio-Musikquelle durch andere Musikquellen am Smartphone:

graph AAA

Musikmedien haben also durchaus Potential am Smartphone – der reine Radio-Simulcast weniger. Radio-Apps haben demnach Wachstumspotential, wenn sie verstärkt Musikangebote aufs Smartphone bringen – personalisiert, interaktiv (skipbar), und mit ansprechender visueller Oberfläche. Die Konkurrenz sind weniger die anderen Sender und deren Apps, als Pure-Streams (Spotify, Deezer, in den USA Pandora) – und hier hat die Radiobranche einen ungeheuren Aufholbedarf was User Interfaces, Big Data und Rechtefragen betrifft.

Broad(?)cast, DAB

Digitalisierungsbericht: DAB in Deutschland wächst, aber langsamer

Mit Spannung wurde er erwartet – jetzt ist er da: Jeder erwartet sich vom Digitalisierungsbericht die Antwort auf die Frage: „Setzt sich nun DAB in Deutschland durch, oder nicht?“

Und wie praktisch jedes Jahr gibt es jede Menge Aussendungen von DAB Befürwortern, oder DAB Gegnern. Befürworter sehen dieses Jahr den Durchbruch – so wie auch in den letzten Jahren, Gegner sehen DAB nach wie vor als gescheitert an. Ich weiß es nicht.

Hier eine Analyse der DAB-spezifischen Zahlen aus dem Bericht, und ich konzentriere mich dabei auf das Wachstum.

In Summe werden drei verschiedene Werte für die letzten drei Jahre abgefragt und auch veröffentlicht:

1. – Geräteausstattung (= wie viele Geräte sind im Umlauf)

Dabei zeigt sich folgender Zuwachs von 2014 auf 2015; in Klammer 2013 auf 2014

DAB: +1,4 Millionen (+2,2 Millionen)

DAB ist also gewachsen, aber schwächer als zuvor.

2. – Zumindest gelegentlicher Empfang

DAB: +2,9 Prozentpunkte (+2,9 Prozentpunkte)

DAB ist unverändert gewachsen.

3. – Meist genutzte Empfangsart

DAB: +0,7 Prozentpunkte (+0,6 Prozentpunkte)

Auch hier ist DAB unverändert (linear) gewachsen.

Einen vierten Wert bekommt man, wenn man etwas tiefer ins Archiv greift: Auch 2013 gab es einen Digitalisierungsbericht, hier wurde die Zahl der Haushalte mit DAB Empfang ausgewiesen. Im 2015er Bericht fehlt die 2013er Zahl, da ist nur die 2014er und 2015er:

Die Wachstumsraten in der Haushaltsausstattung (Wie viele Haushalte haben DAB) sind damit so:

2014 auf 2015: Plus 2,5 Prozentpunkte, 2013 auf 2014: Plus 3 Prozentpunkte. Das Wachstum ist damit hier leicht rückläufig.

Da die letzten beiden Jahre das Wachstum (DAB freundlich gesehen) in allen vier Werten linear war, kann man es ja auch mal linear extrapolieren: Bis DAB UKW als meist genutzte Empfangsart ablöst, wird es demnach sehr lange dauern – bei allen drei Werten Jahrzehnte.

DAB wächst, aber langsam und zäh, es sieht im Moment nicht danach aus, dass DAB ohne UKW Abschaltung in ökonomisch sinnvoller Zeit der dominante Übertragungsweg wird. Stellt man die DAB Einführung über die Interessen der Sender und der Hörer, kann man natürlich mit einer UKW Abschaltung die DAB Rate steigern. Stellt man die Interessen von Hörern und Sendern an erste Stelle, ist DAB aus heutiger Sicht noch immer kein Geschäft, das in absehbarer Zeit durch Werbung refinanzierbar wird.

Aber das kann sich ja mit dem Digitalisierungsbericht 2016 alles ändern, oder?

DAB, Streaming

Die Schweiz ist digitale Nummer 1

Aktuelle Zahlen aus der Schweiz belegen: Kein anderes Land ist bei der Transformation von Rundfunk auf digitale Verbreitungswege weiter. Und während in anderen Ländern fundamentalistisch über die Frage gestritten wird, ob Streaming überhaupt als Massenmedium tauglich ist, sorgen Streaming und DAB gemeinsam in der Schweiz für Rekordwerte:

Nach Angaben der Arbeitsgruppe DigiMig entfallen 22% des Radiokonsums auf Streaming, 23% auf DAB und 55% auf UKW. Und diese insgesamt 45% Marktanteil für digitale Verbreitung Weiterlesen

Streaming

Streamingkosten: Trend in Österreich zeigt weiterhin klar nach unten

Der Preiskampf unter den Mobilanbietern macht´s möglich: 3 GB auf 3G mit maximal 21 MBit/s um 9,90 Euro – gibt´s aktuell bei yess, der Discountschiende von A1.

Nicht zufällig der gleiche Preis wie bei HoT, in beiden Preisen sind zusätzlich 1000 Einheiten (beliebig aufteilbar auf SMS oder Sprachminuten) inkludiert.

Wie weit kommt man damit als streamender Radiohörer. Wenn wir von einem 96kBit AAC Stream ausgehen – der ja wegen nicht ausgespielten aber schon gebufferten Daten und eventuellen Begleitdaten ja einen Tick mehr verbraucht als 12kByte pro Sekunde), dann sind wir bei 2 Stunden und 20 Minuten pro Tag, die nur über mobiles Streaming gehört werden können.

Das ist deutlich mehr als der mobile Radiokonsum; der macht nämlich nur einen Bruchteil des gesamten Radiokonusms aus: In Österreich werden nach einer Auswertung der RMS 17% der gesamt gehörten Radiominuten im Auto konsumiert, und 5% außer Haus, ein Teil dieser 5% also auch mobil; der gesamte mobile Anteil liegt damit bei maximal 22%. Demgegenüber entfallen 54% auf „zu Hause gehört“ und 24% auf „in der Arbeit gehört“ – macht 78%, bei denen Festnetz-Internet zu Verfügung stehen.

Die Radiohördauer liegt in Österreich laut Radiotest 1. Halbjahr 2015 bei 193 Minuten; 22% mobile  Nutzungsdauer bedeuten knapp 43 Minuten – und damit nur rund 1 Gigabyte im Monat.

Natürlich kann man den Radiokonsum nicht komplett auf Streaming verlagern, will ja auch keiner. UKW funktioniert ja nach wie vor sehr gut. Aber: Das Argument der hohen Kosten für den Konsumenten ist ein Argument der Vergangenheit – was der deutsche Medienwissenschaftler Klaus Goldhammer bereits 2008 vorhergesagt hat. 

Broad(?)cast, DAB

DAB in Großbritannien: Langsames Wachstum

Großbritannien gilt weltweit – gemeinsam mit Norwegen – als das DAB Musterland: Immerhin haben knapp 50% der Haushalte zumindest ein DAB Empfangsgerät; und zwei Drittel aller neuen Autos haben bereits ein DAB Gerät eingebaut.

Soeben ist der jährliche Communications Market Report der Ofcom erschienen –  ein sehr ausführlicher Report über den Status der Kommunikationsbranche in Großbritannien.

Beim Thema DAB (in Großbritannien ohne Plus) zeigt sich ein gemischtes Bild: Einerseits ist das Wachstum beim Geräteverkauf auf Rekordtief, andererseits ist der Anteil von DAB am gesamten Hörvolumen stärker als zuvor gestiegen.

Hier die Zahlen im Einzelnen:

Die Haushaltsausstattung hat (Q1 14 zu Q1 15) auf 49% zugenommen, das ist zwar im Vergleich zu anderen Märkten viel, aber das schwächste Wachstum seit Beginn der Aufzeichnungen vor 10 Jahren.

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Abbildung: Jährliches Wachstum der Anzahl der Haushalte mit DAB Gerät, Quelle: Ofcom Communications Market Reports 2006-2015

Das jährliche Wachstum (bezogen auf den Bestand des Vorjahres) lag bis 2009 noch recht hoch, hat aber jedes Jahr abgenommen, und pendelt jetzt um die 5%, aktuell sind es 2,3%.

Demgegenüber ist das DAB-Hörvolumen um immerhin 9,3 Prozent (gemessen am Wert des Vorjahres) auf 25,9 Prozent am gesamten Radiokonsum gestiegen. Das bedeutet aber auch trivialerweise, dass knapp drei Viertel der in Summe konsumierten Radio-Minuten nicht über DAB gehört wurden.

Übrigens: Beachtlich ist in Großbritannien nach wie vor der Umsatz pro Hörer (Unterschiedliche Hörer pro Woche – bei uns entspricht das dem weitesten Hörerkreis) schaue:14,14 Pfund; okay, es ist ein Bruttowert, lass es 10 Pfund Netto sein – dann sind es noch immer um ca. 50% mehr als in Österreich.