Allgemein, Broad(?)cast, DAB, Streaming

Tesla und DAB+: Mit OS 8.0 wird alles gut.

Bislang war die Tesla Radio App für DAB+ eher was für begeisterte Hochfrequenztechniker: Zuerst musste der Hörer eingeben, welchen Multiplex er hören möchte (etwa 11D in Wien), erst danach konnte der Suchlauf gestartet werden. Für den normalen User eine unüberwindbare Hürde (wer soll sich schon 11D merken…).

Seit dieser Woche ist alles besser: Tesla hat auch in Europa das Betriebssystem auf 8.0 aktualisiert – und siehe da, ein wirklich nettes Plattform-agnostisches Radio hineingezaubert:

UKW, Streaming-Sender (via TuneIn) und DAB+ können nebeneinander auf den Stationstasten abgespeichert werden; in diesem Beispiel KRONEHIT und Ö3 via UKW, Big City via DAB+ und KRONEHIT German Hiphop via Streaming. So wird Content King – und der Verbreitungsweg spielt die Rolle, die er aus der Sicht des Hörers spielen muss: Er hat einfach zu funktionieren, und ansonsten ist er egal!

Werbeanzeigen
Streaming

Neue market-Studie: Verliert Radio seinen Platz am Smartphone?

Das österreichische Marktforschungsinstitut market aus Linz hat soeben eine neue Studie veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem erhoben wozu Smartphones am meisten verwendet werden. Da market Studien dieser Art schon länger durchführt, kann man die Trends gut beobachten. Befragt wurden 512 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren.

Für die Tätigkeit „Radio Hören“ ergibt sich dabei folgender Verlauf:

graph

Die Radionutzung am Smartphone ist rückläufig – pro Smartphone-User; ein Effekt, der einige Zeit lang durch die starke Zunahme der Zahl der Smartphone-User kompensiert wurde.
Die gute Nachricht dabei: Audio, Musik und Streamingangebote spielen nach wie vor eine große Rolle am Smartphone – „Video Killed the Radio Star“ lässt sich aus folgenden Zahlen jedenfalls nicht ableiten, eher eine Substitution des Radios als Audio-Musikquelle durch andere Musikquellen am Smartphone:

graph AAA

Musikmedien haben also durchaus Potential am Smartphone – der reine Radio-Simulcast weniger. Radio-Apps haben demnach Wachstumspotential, wenn sie verstärkt Musikangebote aufs Smartphone bringen – personalisiert, interaktiv (skipbar), und mit ansprechender visueller Oberfläche. Die Konkurrenz sind weniger die anderen Sender und deren Apps, als Pure-Streams (Spotify, Deezer, in den USA Pandora) – und hier hat die Radiobranche einen ungeheuren Aufholbedarf was User Interfaces, Big Data und Rechtefragen betrifft.

DAB, Streaming

Die Schweiz ist digitale Nummer 1

Aktuelle Zahlen aus der Schweiz belegen: Kein anderes Land ist bei der Transformation von Rundfunk auf digitale Verbreitungswege weiter. Und während in anderen Ländern fundamentalistisch über die Frage gestritten wird, ob Streaming überhaupt als Massenmedium tauglich ist, sorgen Streaming und DAB gemeinsam in der Schweiz für Rekordwerte:

Nach Angaben der Arbeitsgruppe DigiMig entfallen 22% des Radiokonsums auf Streaming, 23% auf DAB und 55% auf UKW. Und diese insgesamt 45% Marktanteil für digitale Verbreitung Weiterlesen

Streaming

Streamingkosten: Trend in Österreich zeigt weiterhin klar nach unten

Der Preiskampf unter den Mobilanbietern macht´s möglich: 3 GB auf 3G mit maximal 21 MBit/s um 9,90 Euro – gibt´s aktuell bei yess, der Discountschiende von A1.

Nicht zufällig der gleiche Preis wie bei HoT, in beiden Preisen sind zusätzlich 1000 Einheiten (beliebig aufteilbar auf SMS oder Sprachminuten) inkludiert.

Wie weit kommt man damit als streamender Radiohörer. Wenn wir von einem 96kBit AAC Stream ausgehen – der ja wegen nicht ausgespielten aber schon gebufferten Daten und eventuellen Begleitdaten ja einen Tick mehr verbraucht als 12kByte pro Sekunde), dann sind wir bei 2 Stunden und 20 Minuten pro Tag, die nur über mobiles Streaming gehört werden können.

Das ist deutlich mehr als der mobile Radiokonsum; der macht nämlich nur einen Bruchteil des gesamten Radiokonusms aus: In Österreich werden nach einer Auswertung der RMS 17% der gesamt gehörten Radiominuten im Auto konsumiert, und 5% außer Haus, ein Teil dieser 5% also auch mobil; der gesamte mobile Anteil liegt damit bei maximal 22%. Demgegenüber entfallen 54% auf „zu Hause gehört“ und 24% auf „in der Arbeit gehört“ – macht 78%, bei denen Festnetz-Internet zu Verfügung stehen.

Die Radiohördauer liegt in Österreich laut Radiotest 1. Halbjahr 2015 bei 193 Minuten; 22% mobile  Nutzungsdauer bedeuten knapp 43 Minuten – und damit nur rund 1 Gigabyte im Monat.

Natürlich kann man den Radiokonsum nicht komplett auf Streaming verlagern, will ja auch keiner. UKW funktioniert ja nach wie vor sehr gut. Aber: Das Argument der hohen Kosten für den Konsumenten ist ein Argument der Vergangenheit – was der deutsche Medienwissenschaftler Klaus Goldhammer bereits 2008 vorhergesagt hat. 

Streaming

Beats 1 – so Oldschool kann Apple sein

Die Lobestiraden für Apple´s Beat1 sind im Web unübersehbar, und so habe ich mir auch heute das neue Streamingprodukt angehört. Zuvor noch rasch das iPad upgedated, ins Auto verfrachtet, mit dem Nexus 5 einen Hotspot aufgebaut, das iPad damit verbunden, Blutooth Connection zum Autoradio – und los geht´s. (Ok, mit Apple Car Play und einem iPhone wäre es wohl nur ein Knopfdruck gewesen)

Mein Weg zur Arbeit sind etwa 20 Minuten, und um 0850 habe ich den Schluss von Charts aus Los Angeles gehört, und ab 0900 dann Julie Adenuga aus London. Dazwischen ein kleines Sendeloch, aber es ist ja auch weit….

Klingt alles recht excited, und natürlich hat Julie am Abend drei Stunden lang zu Hause alle Tweets durchgelesen, und freut sich drüber. Sagt sie, und klingt dabei sympathisch und glaubwürdig. Wirklich gutes Radio (pride and passion, glaubwürdig, gut positioniert), aber was völlig neues? Eine Revolution? Wäre das iPhone wie Beats 1 entstanden, hätte Apple lediglich die Menüstruktur von Nokia verbessert. Oder bessere Tasten als BlackBerry gebaut.

Technologisch ist Beats 1 100% oldschool. Reines Streaming mit einer Buffersize von etwa 65 Sekunden (das ist somit auch der Zeitversatz des „Live“ Produkts), ohne Internet spielt es gar nicht. Kein Zwischenspeichern von Tracks, kein objektorientieres progressive Downloading; ganz normales Streaming eines gut gemachten Radioprogramms. Technisch mindestens zwei Jahre hinter NPR One. Werbung gab´s übrigens keine; Verpackung in Maßen.

Auch die Schnittstelle zum Musikverkauf lahmt noch etwas: Teilweise ist Beats 1 selbst für Apple Music zu neu – und die Tracks stehen noch nicht zum Streaming bereit.

Fazit: Technisch wenig neues, Musikalisch schon, und wenn Hipster-Eltern mit ihren Millenial-Kids so erstmals erkennen, wie cool es ist, wenn man nicht nur Musik hört, sondern auch Menschen, die dazwischen reden, soll es für die Radio Branche nur gut sein.

Broad(?)cast, DAB, Streaming

Was kostet eigentlich DAB+ oder Streaming – Verbreitung?

In der Diskussion um DAB+ vs. Streaming wird häufig das Argument gebraucht, dass Streaming gegenüber DAB+ deutlich teurer sein soll.

Kommt drauf an: Bei DAB+ sind die Empfangskosten von der Zahl der Hörer unabhängig, bei Streaming sind die Empfangskosten von der Bandbreite und damit von der Zahl der Hörer abhängig. (Zumindest, wenn man Feinheiten wie Verteilung beim Internetservice-Provider außer acht lässt, vergleiche zB die Netzarchitektur von aon-TV)

Kleiner Exkurs (skipbar 8-))

Warum ist das so: Bei Broadcast (DAB) gibt es eine forward-error-connection, vereinfacht gesagt wird das Gesendete zur Sicherheit mehrfach übertragen, wenn es zu einer Störung kommt, erkennt der Empfänger, dass es ein Problem gibt, wenn zB eine Prüfsumme nicht stimmt; bei Streaming fordert der Empfänger (hier gibt es ja einen Rückkanal) ein defektes Paket (erkannt zB an einer nicht übereinstimmenden Prüfsumme) einfach nochmal an, bis er es korrekt bekommt. Dadurch bekommt jeder Empfänger sein „eigenes“ Programm.

Die Szenarien für Österreich:

Nehmen wir einen erfolgreichen DAB Sender her, und zwar Absolute 80s aus Großbritannien. Der hat 0,9% Marktanteil und ist damit der erfolgreichste kommerzielle digital-only Sender – 15 Jahre nach Einführung von DAB in Großbritannien. In der besten Viertelstunde hat Radio in Österreich eine Reichweite von 2,4 Millionen Hörern, 1% davon sind dann 24.000 Hörer.

Wenn ich mal davon ausgehe, dass ich jeden Hörer mit 128kBit/s + 30% für ungenutztes Buffering versorge, komme ich auf runde 160kBit*24.000 = 3,8 GBit/s. 5 GBit/s  kosten aktuell etwa 5.000€ im Monat, oder 60.000 im Jahr. Eine österreichweite DAB+ Abdeckung  kostet pro Jahr sehr, sehr günstig geschätzt 200.000 Euro, und damit das dreifache.

Das bedeutet: Nach aktuellen Kosten ist Streaming erst bei 3-4% Marktanteil teurer als DAB+ – und die hat noch kein einziger DAB Sender in Großbritannien erreicht.

Berücksichtigt man dabei den Preisverfall bei Streaming, von 1999-2013 27% pro Jahr, und geht man davon aus, dass die Broadcast Kosten weitgehend stabil bleiben, so sind in fünf Jahren die Streamingkosten nur mehr 20% der heutigen Kosten, Streaming wäre also sogar bis 15% Marktanteil des Senders kompetitiv zu Broadcast.

DAB+ wäre nur einem Fall deutlich billiger als Streaming: Wenn man sofort (oder innerhalb der nächsten paar Jahre) die UKW Sender abschaltet, und sich jeder Hörer sofort mit DAB+ Geräten eindeckt – dann wäre DAB+ wirklich günstiger – abgesehen davon, dass dann wahrscheinlich die Branche ziemlich tot wäre.

Streaming

Digitalradio im Auto – So klingt Radio im Tesla S

Vorige Woche hatte ich die Chance im Tesla S mitzufahren. Kaum öffnet man die Fahrertüre, schon ertönt Radio. Genau genommen Rdio, und ganz genau genommen ein personalisierter DnB Kanal des stolzen Besitzers. Das Streaming spielt dabei schneller los als FM/AM/DAB/HD/wtf Radios in den meisten PKW. Die starten ja meist erst bei Start der Zündung (um dann nochmal kurz zum Anlassen des Motors zu verstummen…). Mein Learning: Als Hintergrund funktioniert Streaming im Tesla S  besser als UKW in normalen PKW. Da Rdio als objektorientierter Service auf progressive Download basiert (wie Spotify, Pandora und andere), bleibt das ganze auch bei Ausfall der Internetverbindung eine ganze Weile unterbrechungsfrei….