Allgemein, Broad(?)cast, Streaming

Smartphone vs. Radio Star – Edison Research stellt die Infinite Dial Studie 2017 vor.

Seit 20 Jahren untersucht die US Research&Beratungsfirma Edison Research die Transformation des Hörverhaltens der Amerikaner von Broadcast hin zu Streaming in den Infinite Dial Studien.

In einem Webinar wurde gestern abend die aktuelle Studie 2017 vorgestellt, einige Werte sind dabei über zwanzig Jahre getrackt worden.

Meine Takeaways:
> Smartphone vs. Radio-Star: Mit steigender Smartphoneadaption schrumpft die Reichweite linearen Radios
> Streaming wächst
> Pandora zieht bei den Jungen gegen Spotify den kürzeren
> Radio verliert bei Jungen die Musikkompetenz an Spotify
> Spotify kann bis jetzt gegen die Giganten Amazon, Google und Apple mehr als gut bestehen
> Alexa & Co sind das Next Big Thing für Radiosender
> Podcasting wächst, ist aber ein gutes Stück hinter seinem Hype
> Twitter kann sich auch in den USA nicht nachhaltig etablieren

Streaming

Retten Morningshows das Radio?

Wenn Radiomacher Angst vor Spotify und Co. haben, trösten sie sich gerne damit, dass Radio eben deutlich mehr sei als Musik. Wetter, Verkehr, Moderation – und vor allem die Morningshows seien es, die den Hörer gegen Pure-Streamer (wie Pandora oder eben Spotify) immunisieren sollen.

Ist dieses Argument empirisch belegbar? Tritondigital veröffentlicht jedes Monat seinen TOP 20 Ranker, quasi die ip-Mediaanalyse in den USA. Im März sieht es dabei folgendermaßen aus:

Gemessen in AAS (durchschnittliche Zahl der Streams mit mehr als einer Minute Länge) liegt Pandora werktags 6-20 Uhr mit 2.442.227 in Führung, das vor allem durch Simulcasts terrestrischer Stationen getragene iHeart Media kommt auf 364.180, iHeart erreicht damit knapp 15% von Pandora.

Zwischen 6 Uhr und 12 Uhr (also im Bereich, in den auch Morningshows fallen) steht es 2.102.656 zu 262.868, IHeart erreicht hier 12,5% von Pandora. Sicherlich: Morningshows sind meist um 10 Uhr zu Ende, und die Zahlen gelten für Montag-Sonntag – dennoch: Falls Morningshows gegenüber Pure-Streamern eine bessere Nutzung hätten, sollte Pandora hier weniger stark vorne liegen als im Tagesschnitt.

Empirisch lässt sich somit nicht belegen, dass Morningshows das Broadcast-Radio vor der Stream-Abwanderung schützen. Möglich bleibt es dennoch – den der Anteil einer Morningshow am Erfolg eines Senders ist nicht nur an den punktuellen Reichweiten, sondern auch am Anteil am Gesamtimage zu messen.

Streaming

6seconds – Wie Pandora kann Radio sein?

Wer von euch noch nicht die 6seconds App für iOS oder Android runtergeladen hat, sollte das tun und sie ausprobieren: Es ist ein interessanter Versuch, Pandora durch die Navigation durch Radiosender mittels Metadaten nachzubilden.

OK, das klingt ziemlich kompliziert, aber praktisch funktioniert es so: Man gibt einen Künstler – etwa Rihanna – in die App ein, aus 100.000 Radiosendern wird der gewählt, der Rihanna als letztes gestartet hat, so steigt man ziemlich am Anfang ein – mit einem Swipe kann man zum nächsten Sender wechseln, der einen Artist spielt, der – Pandora like – zu Rihanna passt, etwa Justin Timberlake. Klarerweise wird dahinter – nach einer initialen Erstzuordnung – wohl ein Big Data Approach stecken, um den Algorithmus zu optimieren.

Das Ganze hat rechtlich und technisch gesehen Vor- und Nachteile gegenüber Pandora:

(+) keine Limitationen von der rechtlichen Seite her, den Artist innerhalb einer gewissen Zeitspanne nicht beliebig oft spielen zu können.

(+) keine gesonderten Deals mit Rechteinhabern notwendig. Damit gehen auch die üblichen Problemfälle wie Beatles oder AC/DC – die bei Spotify eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind.

(-) Buffering zwischen Tracks ist spürbar.

(-) Da die Streams nicht reencoded werden, funktionieren nicht alle Kanäle. Auf meinem Nexus 5 sind ziemlich viele gemutet.

(-) Die Songs fangen nicht am Anfang an; wenn die Metadaten inkorrekt sind, landet man mitten in einer ungarischen Moderation…

(-) Da es sich dabei immer um Streaming handelt und nicht um progressive Downloading ist die Ausfallssicherheit am Niveau von linearen Streams wie FM Simulcasts – somit gering.

Trotzdem ein intelligenter Ansatz – und aus Hot AC/CHR Zielgruppen-Sicht deutlich mehr sexy als andere Aggregatoren…der Pandora Börsenkurs wird deswegen nicht abstürzen.