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UKW Abschaltung in Norwegen: Jugendprogramm P3 verliert ein Drittel seiner Hörer.

Die UKW Abschaltung in Norwegen führt zu starken Verlusten bei den etablierten Radiostationen, wie aktuelle Daten des Marktforschers TNS zeigen. In Norwegen werden die – elektronisch mit PPM (Personal People Meter) gemessenen – Daten wöchentlich veröffentlicht, die Website Radionytt.no hat die Daten der Kalenderwoche 33 des Jahres 2017 mit 2016 verglichen. 

Insgesamt hat der staatliche NRK 14% seiner Tagesreichweite verloren. Bei den einzelnen Programmen gibt es aber deutliche Unterschiede:

NRK P1 (AC, Information) verliert rund 20% seiner Hörer, von 33,4% auf 27,6% Tagesreichweite, NRK P2 (Kultur) sinkt nur leicht von 5,7% auf 5,3%, NRK P3 (Zielgruppe 15-30, CHR) verliert ein Drittel seiner Hörer von 12% auf 7,8% Tagesreichweite.

Stärkere Nutzung von reinen DAB+ Kanälen, die der NRK anbietet, kann diese Rückgänge nicht kompensieren. P1+ (Ableger von P1 für Erwachsene) legt zwar von 3,7% auf 6,3% zu, die anderen digitalen Kanäle von NRK bleiben in etwa gleich.

Rückgänge auch bei Privaten

Auch bei den landesweiten Privatradios P4 (gehört zu MTG) und Radio Norge (Bauer Group) gibt es Rückgänge: P4 verliert rund ein Fünftel (20,3% auf 16,3%), Radio Norge rund ein Drittel (13% auf 8,6%) seiner Hörer; es gibt jedoch Steigerungen bei den von den beiden Gruppen betriebenen Digitalradios; zum Beispiel P5 von 3,5% auf 5,4% und Radio Rock von 1,1% auf 2,5%.

In Summe ist die Zahl der Radiohörer über alle Plattformen (also inklusive UKW, wo es noch existiert, als auch über Stream, DAB+ und TV) in Norwegen um 5,4% gesunken.

Weitere Rückgänge stehen dem norwegischen Radio noch bevor

Warum liegt nun der NRK mit 14% Rückgang deutlich schlechter als der Gesamtmarkt mit 5,4% Rückgang? Die Antwort darauf ist der Abschaltzeitplan, der pro Region definiert ist und bei dem der NRK meist vor den Privatradios UKW abschaltet.

In der KW 34 sah es dabei so aus: Der NRK war von 61,6 Prozent der Bevölkerung nicht mehr über UKW zu empfangen, die privaten P4 und Radio Norge hingegen nur von 34,8%. In der bevölkerungsreichsten Region rund um Oslo senden vorläufig noch alle UKW Programme, hier erfolgt die Abschaltung am 20. September (NRK) beziehungsweise am 8. Dezember (P4, Radio Norge). Ab dem 13. Dezember werden dann alle landesweiten UKW Programme nur mehr über DAB+ zu empfangen sein, danach wird klar sein, wie stark der Rückgang der Radionutzung tatsächlich ist.

Mein Learning aus den Zahlen:

  1. UKW Abschaltung verringert die Tagesreichweite von Radio erheblich.
  2. Zusätzliche Kanäle können diese Verluste vermindern, aber nicht verhindern.
  3. Bei jungen Kanälen scheint das Problem größer zu sein als bei älteren.
  4. DAB+ ist damit keine ökonomisch sinnvolle Antwort auf die Herausforderung durch Streamingdienste.

 

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13,5% weniger Radiohörer – Erste Studie nach UKW Abschaltung in Norwegen veröffentlicht

Wie viele Hörer verliert Radio durch die Abschaltung von UKW? Gespannt hat praktisch die gesamte Radiowelt nach Norwegen geblickt – dort werden ja seit Jänner Gebiet für Gebiet die UKW Sender der landesweiten Radioprogramme abgeschaltet, um die kostspielige Doppelausstrahlung von DAB+ und UKW zu beenden.

Das erste Gebiet war dabei Nordland, und für dieses Gebiet liegen jetzt Zahlen einer Umfrage von TNS vor; diese Umfrage wurde im Auftrag der norwegischen Digitalradios (staatliche NRK, große Privatsender wie P4) im Februar 2017 durchgeführt – einen Monat nach der UKW-Abschaltung.

Die Zahl der Radiohörer ist demnach um 13.5% gesunken, und zwar von 74% auf 64%.

Bestätigt sich dieser Trend im gesamten Land Norwegen, dann könnte das für die Privatradios dort sogar eine gute Nachricht sein: Auf DAB+ entfallen die landesspezifisch hohen Lizenzgebühren, bei P4 ist das etwa eine Million Euro pro Jahr. Und die Einsparungen durch Entfall des UKW Netzwerks sind vermutlich noch etwas höher, sodass ein gewisser Rückgang bei den Hörerzahlen – und damit auch bei den Werbeeinnahmen – unter dem Strich noch immer für ein Plus sorgen kann.

Dazu kommt die Hoffnung, dass sich selbst hart gesottene DAB+ Verweigerer mit der Zeit doch noch die Digitalradios zulegen werden. Und von diesen gibt es nicht gerade wenige, wie eine aktuelle Studie von Response Analyze zeigt: 55% der Norweger finden noch immer, dass die UKW Abschaltung falsch war; nur 31% können der DAB+ Einführung etwas Positives abgewinnen. Und: 37% der norwegischen Haushalte haben nach wie vor kein DAB+ Radio, 32% haben eines und nur 30% haben mehr als eines, etwa zu Hause und im Auto.

Spannend ist, wie sich das auf die Nutzungszeit auswirkt, da sich ja die Radionutzung der meisten Hörer auf mehrere Empfangsgeräte (Radiowecker, Küchenradio, Autoradio etc.) aufteilt. Die Daten dafür gibt es, ist Norwegen doch eines der wenigen europäischen Länder, in dem Quoten kontinuierlich elektronisch gemessen werden; sie werden allerdings (noch) nicht veröffentlicht.