Streaming

Neue market-Studie: Verliert Radio seinen Platz am Smartphone?

Das österreichische Marktforschungsinstitut market aus Linz hat soeben eine neue Studie veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem erhoben wozu Smartphones am meisten verwendet werden. Da market Studien dieser Art schon länger durchführt, kann man die Trends gut beobachten. Befragt wurden 512 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren.

Für die Tätigkeit „Radio Hören“ ergibt sich dabei folgender Verlauf:

graph

Die Radionutzung am Smartphone ist rückläufig – pro Smartphone-User; ein Effekt, der einige Zeit lang durch die starke Zunahme der Zahl der Smartphone-User kompensiert wurde.
Die gute Nachricht dabei: Audio, Musik und Streamingangebote spielen nach wie vor eine große Rolle am Smartphone – „Video Killed the Radio Star“ lässt sich aus folgenden Zahlen jedenfalls nicht ableiten, eher eine Substitution des Radios als Audio-Musikquelle durch andere Musikquellen am Smartphone:

graph AAA

Musikmedien haben also durchaus Potential am Smartphone – der reine Radio-Simulcast weniger. Radio-Apps haben demnach Wachstumspotential, wenn sie verstärkt Musikangebote aufs Smartphone bringen – personalisiert, interaktiv (skipbar), und mit ansprechender visueller Oberfläche. Die Konkurrenz sind weniger die anderen Sender und deren Apps, als Pure-Streams (Spotify, Deezer, in den USA Pandora) – und hier hat die Radiobranche einen ungeheuren Aufholbedarf was User Interfaces, Big Data und Rechtefragen betrifft.

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Beats 1 – so Oldschool kann Apple sein

Die Lobestiraden für Apple´s Beat1 sind im Web unübersehbar, und so habe ich mir auch heute das neue Streamingprodukt angehört. Zuvor noch rasch das iPad upgedated, ins Auto verfrachtet, mit dem Nexus 5 einen Hotspot aufgebaut, das iPad damit verbunden, Blutooth Connection zum Autoradio – und los geht´s. (Ok, mit Apple Car Play und einem iPhone wäre es wohl nur ein Knopfdruck gewesen)

Mein Weg zur Arbeit sind etwa 20 Minuten, und um 0850 habe ich den Schluss von Charts aus Los Angeles gehört, und ab 0900 dann Julie Adenuga aus London. Dazwischen ein kleines Sendeloch, aber es ist ja auch weit….

Klingt alles recht excited, und natürlich hat Julie am Abend drei Stunden lang zu Hause alle Tweets durchgelesen, und freut sich drüber. Sagt sie, und klingt dabei sympathisch und glaubwürdig. Wirklich gutes Radio (pride and passion, glaubwürdig, gut positioniert), aber was völlig neues? Eine Revolution? Wäre das iPhone wie Beats 1 entstanden, hätte Apple lediglich die Menüstruktur von Nokia verbessert. Oder bessere Tasten als BlackBerry gebaut.

Technologisch ist Beats 1 100% oldschool. Reines Streaming mit einer Buffersize von etwa 65 Sekunden (das ist somit auch der Zeitversatz des „Live“ Produkts), ohne Internet spielt es gar nicht. Kein Zwischenspeichern von Tracks, kein objektorientieres progressive Downloading; ganz normales Streaming eines gut gemachten Radioprogramms. Technisch mindestens zwei Jahre hinter NPR One. Werbung gab´s übrigens keine; Verpackung in Maßen.

Auch die Schnittstelle zum Musikverkauf lahmt noch etwas: Teilweise ist Beats 1 selbst für Apple Music zu neu – und die Tracks stehen noch nicht zum Streaming bereit.

Fazit: Technisch wenig neues, Musikalisch schon, und wenn Hipster-Eltern mit ihren Millenial-Kids so erstmals erkennen, wie cool es ist, wenn man nicht nur Musik hört, sondern auch Menschen, die dazwischen reden, soll es für die Radio Branche nur gut sein.