DAB

Über die Hälfte der Norweger hört DAB+ – und andere Mythen….

Das Land Norwegen ist in punkto DAB+ Adaption eines der erfolgreichsten Länder der Welt. Zum Jahresbeginn hat die norwegische Regierung sogar festgestellt, dass die Mehrheit der Norweger DAB+ hört (Mythos 1), weswegen UKW 2017 komplett abgeschaltet werden soll (Mythos 2).

Warum Mythos? Weil beides oft geschrieben wird, aber einfach nicht stimmt.

Fangen wir mit Mythos 1 an: Wie viele Norweger hören tatsächlich DAB+?

In deutschen Medien ist von 55% die Rede.

Nehmen wir dabei als Kriterium die Tagesreichweite (=DAB+ Hörer pro Tag, egal wie lange, und egal ob sie auch UKW gehört haben). Das staatliche statistische Institut Norwegens (Statistisk sentralbyrå – SSB) veröffentlicht jährlich die Zahl der Tagesreichweite, für 2014 klingt das wie folgt:

„19 prosent av befolkningen hørte på DAB-radio i løpet av et døgn i 2014, mot 13 prosent året før.”

Übersetzt: 19% der Bevölkerung haben im Laufe eines Tages DAB gehört, 13% waren es im Jahr zuvor (also 2013). Wie kommt man von 19% auf 55%?

Rechentrick 1: Man rechnet auch Streamig (17%) und digitale TV Empfänger (11%) dazu, dann ist man schon von 19% in Richtung 40% unterwegs. (Die Zahlen lassen sich nicht einfach addieren, da es ja Mehrfachnennungen geben kann).

Rechentrick 2: Man bezieht die Zahl der DAB Hörer nicht auf die Einwohnerzahl, sondern auf die Zahl der Radiohörer. Und das ist in Norwegen ein ziemlicher Unterschied, denn:

Nur 64% der Bevölkerung hören in Norwegen täglich Radio. (Quelle: SSB)

Und schon hat man aus 19% über 50% gemacht. Genau genommen waren es zum Zeitpunkt der Abschaltungsentscheidung 24% der Norweger, die im vierten Quartal Radio zumindest teilweise auch über DAB+ gehört haben. Über drei Viertel der Bevölkerung allerdings nicht. Eine Mehrheit DAB+ Hörer sieht anders aus…

Mythos 2 – die Norweger drehen 2017 UKW völlig ab.

Die norwegische Regierung schreibt in einer Presseaussendung:

„The Government has set a date for the switch-off of Norway’s FM radio stations, having concluded that the criteria for the technology shift are now met. The decision to switch off all FM radio stations in 2017 follows up the radio digitisation mandate issued by the Storting (the Norwegian parliament) in 2011.“

Stimmt nur so nicht ganz, denn die meisten lokalen Stationen dürfen auf UKW weitersenden. Die Abschaltung betrifft nach heutigem Stand der Überlegungen die landesweiten Stationen sowie reichweitenstarke Lokalstationen – letztere wehren sich zum Teil  massiv gegen die für sie bedrohliche Abschaltung – und bekommen Unterstützung von Google: „DAB ist so dumm wie WAP einst war“

Die Nicht-Komplett-Abschaltung von UKW ist in Norwegen wie folgt definiert: „As planned in the white paper on digital radio, the Ministry of Culture published a white paper on local radio on 17 April 2015. This stated that approximately 215 local radio licensees would be offered a free five-year extension on their licences and that the FM framework conditions would be liberalised, but that FM licences with significant coverage in Norway’s four largest cities will not be extended or re-announced once they expire on 31 December 2016. The latter category encompasses 23 licences, including 22 which are already broadcasting DAB signals.”

Dh dass es nach dem „UKW Shutdown“ in Norwegen 215 minus 23, somit 182 UKW Lizenzen geben wird, die einmal um 5 Jahre verlängert werden – wie die Norwegische Regierung in ihrem Lokalradio White-Paper festgehalten hat. 

Fazit: Rund ein Viertel der Norweger hört DAB+ und UKW wird 2017 auch nicht komplett abgedreht.

Broad(?)cast, DAB

DAB+ – in Österreich pro Kopf gleich viele Geräte als in Deutschland? Und das ohne Senden??

Zahlenspiele haben in der DAB+ Diskussion schon eine gewisse Tradition. Kürzlich ließ die Austria Presse Agentur etwa damit aufhorchen, dass 10% aller Radiogeräte in Österreich DAB+ fähig sein sollen, was natürlich sofort 1:1 von manchen Zeitungen aufgegriffen wurde, auch vom Standard und der Futurezone des Kurier.

Das wäre allerdings beachtlich: In Deutschland verfügten 2014 – nach Angaben von digitalradio.de – 7,5% der Haushalte über (zumindest) ein DAB+ Gerät, und die hatten im Schnitt 1,7 DAB+ Geräte. Das deckt sich auch einigermaßen mit der Funkanalyse Bayern (Seite 133), in der 90,1% der Befragten (Bevölkerung Bayern, 10+) angegeben haben, kein Digitalradio zu besitzen.

Österreich hätte also – auch ohne in den letzten Jahren DAB+ zu senden – ähnlich viele Geräte im Markt wie Bayern; meine Nachfrage bei der APA hat ergeben, dass die Zahlen vom Verband Digitalradio Österreich kommen, und dort rechnet man bis Ende 2015 mit 380.000 Geräten, die im Markt sein sollen; ausgehend von Verkaufszahlen des Elektrohandels für Hybridgeräte, die vor allem als Tuner für Stereoanlagen angeschafft wurden.

Ob diese Zahl erreicht wird, wird man sehen; was klar ist: 380.000 sind deutlich weniger als 10% der im Markt befindlichen UKW Radios – deren Zahl wird auf 7,5-30 Millionen geschätzt; in realer Nutzung sollen 7,5-12 Millionen Geräte stehen, nehmen wir mal als Schnitt 10 Millionen Geräte her.

Korrekterweise müsste das Ergebnis lauten: „Zum Jahresende könnten bis zu 3,8% aller Radiogeräte DAB+ fähig sein“; stattdessen wird „Zehn Prozent der Radios in Österreich sind derzeit DAB-fähig“ veröffentlicht.

Noch ein Vergleich mit Bayern: Dort sind laut Funkanalyse Bayern über 25 Millionen UKW Radios „in Betrieb“, dem stehen 830.000 DAB Empfanggeräte gegenüber. Macht auch nach dieser Berechung – basierend auf offiziellen Zahlen der Funkanalyse Bayern (Seite 135) – klar, dass der Anteil von DAB an den insgesamt vorhandenen Geräten in Bayern bei 3,2% liegt.

Broad(?)cast, DAB

DAB+ in Wien – zu ebener Erde und im ersten Stock…

Jetzt ist es also da: DAB+ in Wien. Und freundlicherweise hat mir das Deutschlandradio bei meinem Besuch vergangene Woche in Köln einen USB DAB+ Stick von Noxon geschenkt.

Laptop auf den Beifahrersitz, DAB+ Antenne aus dem Fenster rausgehängt, das neue ARBÖ Verkehrsradio aufgedreht (de facto eine Oldie Station), und losgefahren. Vom 10. Bezirk über den 23. auf die Allander Autobahn, das erste Tal hinter Gießhübl ging noch, dann war´s vorbei. Und zwar abrupt, ohne Blubbern oder andere Artefakte. Im Wiener Stadtgebiet klappt der Empfang im Auto gut. Auch der Klang ist sehr ok, etwa bei Welle 1 Digital mit 72kBit/s.

Schwieriger ist da schon der Indoor-Empfang. In meinem Büro im Erdgeschoss in Wien Favoriten kommt es immer wieder zu Aussetzern. An der Nordseite des Gebäudes klappt es einigermaßen, im Inneren oder gar an der Südseite, direkt am Fenster – Fehlanzeige. Zu Hause im Dachgeschoss in der Brigittenau klappt der Empfang sogar ohne eingesteckte Antenne; auch im ersten Stock in der Arbeit ist der Empfang etwas besser.

Subjektiv ist die Indoor Versorgung deutlich schlechter als bei UKW. UKW fällt auf Mono zurück, oder rauscht leicht, DAB+ ist halt entweder gut zu hören, oder gar nicht.