Broad(?)cast, DAB, Streaming

Was kostet eigentlich DAB+ oder Streaming – Verbreitung?

In der Diskussion um DAB+ vs. Streaming wird häufig das Argument gebraucht, dass Streaming gegenüber DAB+ deutlich teurer sein soll.

Kommt drauf an: Bei DAB+ sind die Empfangskosten von der Zahl der Hörer unabhängig, bei Streaming sind die Empfangskosten von der Bandbreite und damit von der Zahl der Hörer abhängig. (Zumindest, wenn man Feinheiten wie Verteilung beim Internetservice-Provider außer acht lässt, vergleiche zB die Netzarchitektur von aon-TV)

Kleiner Exkurs (skipbar 8-))

Warum ist das so: Bei Broadcast (DAB) gibt es eine forward-error-connection, vereinfacht gesagt wird das Gesendete zur Sicherheit mehrfach übertragen, wenn es zu einer Störung kommt, erkennt der Empfänger, dass es ein Problem gibt, wenn zB eine Prüfsumme nicht stimmt; bei Streaming fordert der Empfänger (hier gibt es ja einen Rückkanal) ein defektes Paket (erkannt zB an einer nicht übereinstimmenden Prüfsumme) einfach nochmal an, bis er es korrekt bekommt. Dadurch bekommt jeder Empfänger sein „eigenes“ Programm.

Die Szenarien für Österreich:

Nehmen wir einen erfolgreichen DAB Sender her, und zwar Absolute 80s aus Großbritannien. Der hat 0,9% Marktanteil und ist damit der erfolgreichste kommerzielle digital-only Sender – 15 Jahre nach Einführung von DAB in Großbritannien. In der besten Viertelstunde hat Radio in Österreich eine Reichweite von 2,4 Millionen Hörern, 1% davon sind dann 24.000 Hörer.

Wenn ich mal davon ausgehe, dass ich jeden Hörer mit 128kBit/s + 30% für ungenutztes Buffering versorge, komme ich auf runde 160kBit*24.000 = 3,8 GBit/s. 5 GBit/s  kosten aktuell etwa 5.000€ im Monat, oder 60.000 im Jahr. Eine österreichweite DAB+ Abdeckung  kostet pro Jahr sehr, sehr günstig geschätzt 200.000 Euro, und damit das dreifache.

Das bedeutet: Nach aktuellen Kosten ist Streaming erst bei 3-4% Marktanteil teurer als DAB+ – und die hat noch kein einziger DAB Sender in Großbritannien erreicht.

Berücksichtigt man dabei den Preisverfall bei Streaming, von 1999-2013 27% pro Jahr, und geht man davon aus, dass die Broadcast Kosten weitgehend stabil bleiben, so sind in fünf Jahren die Streamingkosten nur mehr 20% der heutigen Kosten, Streaming wäre also sogar bis 15% Marktanteil des Senders kompetitiv zu Broadcast.

DAB+ wäre nur einem Fall deutlich billiger als Streaming: Wenn man sofort (oder innerhalb der nächsten paar Jahre) die UKW Sender abschaltet, und sich jeder Hörer sofort mit DAB+ Geräten eindeckt – dann wäre DAB+ wirklich günstiger – abgesehen davon, dass dann wahrscheinlich die Branche ziemlich tot wäre.

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Streaming

Retten Morningshows das Radio?

Wenn Radiomacher Angst vor Spotify und Co. haben, trösten sie sich gerne damit, dass Radio eben deutlich mehr sei als Musik. Wetter, Verkehr, Moderation – und vor allem die Morningshows seien es, die den Hörer gegen Pure-Streamer (wie Pandora oder eben Spotify) immunisieren sollen.

Ist dieses Argument empirisch belegbar? Tritondigital veröffentlicht jedes Monat seinen TOP 20 Ranker, quasi die ip-Mediaanalyse in den USA. Im März sieht es dabei folgendermaßen aus:

Gemessen in AAS (durchschnittliche Zahl der Streams mit mehr als einer Minute Länge) liegt Pandora werktags 6-20 Uhr mit 2.442.227 in Führung, das vor allem durch Simulcasts terrestrischer Stationen getragene iHeart Media kommt auf 364.180, iHeart erreicht damit knapp 15% von Pandora.

Zwischen 6 Uhr und 12 Uhr (also im Bereich, in den auch Morningshows fallen) steht es 2.102.656 zu 262.868, IHeart erreicht hier 12,5% von Pandora. Sicherlich: Morningshows sind meist um 10 Uhr zu Ende, und die Zahlen gelten für Montag-Sonntag – dennoch: Falls Morningshows gegenüber Pure-Streamern eine bessere Nutzung hätten, sollte Pandora hier weniger stark vorne liegen als im Tagesschnitt.

Empirisch lässt sich somit nicht belegen, dass Morningshows das Broadcast-Radio vor der Stream-Abwanderung schützen. Möglich bleibt es dennoch – den der Anteil einer Morningshow am Erfolg eines Senders ist nicht nur an den punktuellen Reichweiten, sondern auch am Anteil am Gesamtimage zu messen.

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6seconds – Wie Pandora kann Radio sein?

Wer von euch noch nicht die 6seconds App für iOS oder Android runtergeladen hat, sollte das tun und sie ausprobieren: Es ist ein interessanter Versuch, Pandora durch die Navigation durch Radiosender mittels Metadaten nachzubilden.

OK, das klingt ziemlich kompliziert, aber praktisch funktioniert es so: Man gibt einen Künstler – etwa Rihanna – in die App ein, aus 100.000 Radiosendern wird der gewählt, der Rihanna als letztes gestartet hat, so steigt man ziemlich am Anfang ein – mit einem Swipe kann man zum nächsten Sender wechseln, der einen Artist spielt, der – Pandora like – zu Rihanna passt, etwa Justin Timberlake. Klarerweise wird dahinter – nach einer initialen Erstzuordnung – wohl ein Big Data Approach stecken, um den Algorithmus zu optimieren.

Das Ganze hat rechtlich und technisch gesehen Vor- und Nachteile gegenüber Pandora:

(+) keine Limitationen von der rechtlichen Seite her, den Artist innerhalb einer gewissen Zeitspanne nicht beliebig oft spielen zu können.

(+) keine gesonderten Deals mit Rechteinhabern notwendig. Damit gehen auch die üblichen Problemfälle wie Beatles oder AC/DC – die bei Spotify eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind.

(-) Buffering zwischen Tracks ist spürbar.

(-) Da die Streams nicht reencoded werden, funktionieren nicht alle Kanäle. Auf meinem Nexus 5 sind ziemlich viele gemutet.

(-) Die Songs fangen nicht am Anfang an; wenn die Metadaten inkorrekt sind, landet man mitten in einer ungarischen Moderation…

(-) Da es sich dabei immer um Streaming handelt und nicht um progressive Downloading ist die Ausfallssicherheit am Niveau von linearen Streams wie FM Simulcasts – somit gering.

Trotzdem ein intelligenter Ansatz – und aus Hot AC/CHR Zielgruppen-Sicht deutlich mehr sexy als andere Aggregatoren…der Pandora Börsenkurs wird deswegen nicht abstürzen.

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Streamen im Auto à la Diskonter

Es muss nicht immer gleich eine Lawine kosten, um Streaming aufs Dashboard zu bringen. Vor 2 Jahren habe ich mir in China ein Android Autoradio besorgt. Alles was man an Vorurteilen über chinesische Verarbeitungsqualität haben mag, wurde bestätigt. Aber immerhin – von Zeit zu Zeit funktioniert das Teil ganz gut. Und so war ich in Wien unterwegs mit dem Wunderding, mein Freund Nik Goodman hat dabei folgendes Video gedreht.

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Digitalradio im Auto – So klingt Radio im Tesla S

Vorige Woche hatte ich die Chance im Tesla S mitzufahren. Kaum öffnet man die Fahrertüre, schon ertönt Radio. Genau genommen Rdio, und ganz genau genommen ein personalisierter DnB Kanal des stolzen Besitzers. Das Streaming spielt dabei schneller los als FM/AM/DAB/HD/wtf Radios in den meisten PKW. Die starten ja meist erst bei Start der Zündung (um dann nochmal kurz zum Anlassen des Motors zu verstummen…). Mein Learning: Als Hintergrund funktioniert Streaming im Tesla S  besser als UKW in normalen PKW. Da Rdio als objektorientierter Service auf progressive Download basiert (wie Spotify, Pandora und andere), bleibt das ganze auch bei Ausfall der Internetverbindung eine ganze Weile unterbrechungsfrei….