Allgemein, Broad(?)cast, Streaming

Smartphone vs. Radio Star – Edison Research stellt die Infinite Dial Studie 2017 vor.

Seit 20 Jahren untersucht die US Research&Beratungsfirma Edison Research die Transformation des Hörverhaltens der Amerikaner von Broadcast hin zu Streaming in den Infinite Dial Studien.

In einem Webinar wurde gestern abend die aktuelle Studie 2017 vorgestellt, einige Werte sind dabei über zwanzig Jahre getrackt worden.

Meine Takeaways:
> Smartphone vs. Radio-Star: Mit steigender Smartphoneadaption schrumpft die Reichweite linearen Radios
> Streaming wächst
> Pandora zieht bei den Jungen gegen Spotify den kürzeren
> Radio verliert bei Jungen die Musikkompetenz an Spotify
> Spotify kann bis jetzt gegen die Giganten Amazon, Google und Apple mehr als gut bestehen
> Alexa & Co sind das Next Big Thing für Radiosender
> Podcasting wächst, ist aber ein gutes Stück hinter seinem Hype
> Twitter kann sich auch in den USA nicht nachhaltig etablieren

Allgemein, Broad(?)cast, DAB, Streaming

Tesla und DAB+: Mit OS 8.0 wird alles gut.

Bislang war die Tesla Radio App für DAB+ eher was für begeisterte Hochfrequenztechniker: Zuerst musste der Hörer eingeben, welchen Multiplex er hören möchte (etwa 11D in Wien), erst danach konnte der Suchlauf gestartet werden. Für den normalen User eine unüberwindbare Hürde (wer soll sich schon 11D merken…).

Seit dieser Woche ist alles besser: Tesla hat auch in Europa das Betriebssystem auf 8.0 aktualisiert – und siehe da, ein wirklich nettes Plattform-agnostisches Radio hineingezaubert:

UKW, Streaming-Sender (via TuneIn) und DAB+ können nebeneinander auf den Stationstasten abgespeichert werden; in diesem Beispiel KRONEHIT und Ö3 via UKW, Big City via DAB+ und KRONEHIT German Hiphop via Streaming. So wird Content King – und der Verbreitungsweg spielt die Rolle, die er aus der Sicht des Hörers spielen muss: Er hat einfach zu funktionieren, und ansonsten ist er egal!

Broad(?)cast, Streaming

Spotify hinter Radio – so schneidet Spotify in den eigenen Studien ab

Ist Streaming denn überhaupt Radio? Was wurde und wird über die Frage gestritten. Wenn Hörer sagen, es ist Radio, und Werbekunden sagen, es ist Radio, dann ist es eben Radio – egal ob die etablierten UKW/DAB oder sonstigen Sender das anderes sehen wollen.

Spotify arbeitet genau darauf hin, von Werbekunden als Radiosender wahrgenommen zu werden. Da Spotify in keinem Land durch die etablierten Radioreichweitenmessungen erhoben wird – etwa Rajar (Tagebuch) in Großbritannien, Mediaanalyse (CATI) in Deutschland oder TNS-Gallup (elektronisch, personal people meter, ppm)  in Dänemark – haben sie jetzt gemeinsam mit TNS ihre eigene Studie auf den Markt gebracht.

Die Studie darf getrost als Frontalangriff auf die Budgets der UKW Sender gesehen werden – denn Spotify ist darauf aus, den Werbetreibenden zu beweisen, dass die Nettoreichweite einer Kampagne erhöht werden kann, wenn ein Teil des Budgets von einem Radiosender auf Spotify umgeschichtet wird.

Beispiel: Kunde bucht um 50.000 Euro Station X, erreicht 100.000 unterschiedliche Hörer in einer Woche (=Nettoreichweite pro Woche), wenn er aber nur 40.000 Euro in Station X investiert, und 10.000 Euro in Spotify, erreicht er 125.000 unterschiedliche Hörer – mit dem gleichen Geld. Spotify ist also nicht darauf aus, neue Kunden für Audiowerbung zu begeistern, sondern bedient sich lieber bei den Kunden, denen die Vorteile von Audiowerbung bereits geläufig sind, weil sie ja Radio bereits buchen. Verständlich aus Spotify-Sicht – zumal die bisherige Philosophie, Free-Kunden auf Premium upzusellen, noch nicht in die schwarzen Zahlen geführt hat. Bislang tragen die 25% der Kunden, die für Spotify zahlen, 91% zum Umsatz bei  (schreibt der Guardian)- die restlichen 75%, die sich im Free Modell durch Werbung rechnen wollen, nur 9%. Jetzt orientiert man sich strategisch mehr an Pandora, wo Werbeumsätze deutlich vor Abo-Erlösen liegen. (siehe Pandora Geschäftsbericht 2014)

Obwohl die Download-Version der Studie eine reine Pro-Spotify Verkaufsunterlage ist, kann man ein paar interessante Details über die Reichweite von Spotify herauslesen bzw. herausrechnen:

spotifyfrance

Spotify liegt bei der Wochenreichweite hinter den UKW Platzhirschen, aber Frankreich ist für Spotify auch ein besonders undankbarer Markt, weil dort Deezer sehr stark ist.

Im Gegensatz dazu ist Schweden für Spotify ein Heimspiel; seit 2008 ist Spotify dort auf dem Markt. Aber auch in Schweden ist Spotify bei der Wochenreichweite nicht vor den UKW Sendern – nach von Spotify veröffentlichten Zahlen.

spotifysweden

Feines Detail: In Schweden misst Spotify in der Zielgruppe 16-64, in Frankreich war es 20-49. Ein anderes Bild zeichnet sich in Großbritannien ab – hier liegt Spotify Kopf an Kopf mit (aber doch hinter zwei) kommerziellen Stationen (BBC Radio 1 wurde in der Studie offenbar nicht erhoben bzw. nicht ausgewiesen, weil werbefrei)

spotifyuk

Die Stärke von Streamingdiensten in Großbritannien, die ja schon im Ofcom Communications Market Report 2014 zum Ausdruck kam, bestätigt sich auch in der Spotify-Studie.

Und in Deutschland? Hier hat das führende Branchenportal radioszene.de schon im Juli Spotify Daten veröffentlicht – und zwar für Hamburg:Und auch aus diesen lassen sich wieder die Wochenreichweiten – hier misst man in der Zielgruppe 15-64 – berechnen:

hamburg

Noch ein Hinweis zur Berechnung: Die dargestellten Reichweiten sind immer die Summe aus nur Radiosender/nur Spotify gehört und den sowohl Spotify als auch Radiosender-Hörern. Durch die Addition der beiden Zahlen kann der Rundungsfehler – zusätzlich zu den empirischen Schwankungen der Studie – nochmals +/- 1 Prozentpunkt betragen.

Streaming

Neue market-Studie: Verliert Radio seinen Platz am Smartphone?

Das österreichische Marktforschungsinstitut market aus Linz hat soeben eine neue Studie veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem erhoben wozu Smartphones am meisten verwendet werden. Da market Studien dieser Art schon länger durchführt, kann man die Trends gut beobachten. Befragt wurden 512 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren.

Für die Tätigkeit „Radio Hören“ ergibt sich dabei folgender Verlauf:

graph

Die Radionutzung am Smartphone ist rückläufig – pro Smartphone-User; ein Effekt, der einige Zeit lang durch die starke Zunahme der Zahl der Smartphone-User kompensiert wurde.
Die gute Nachricht dabei: Audio, Musik und Streamingangebote spielen nach wie vor eine große Rolle am Smartphone – „Video Killed the Radio Star“ lässt sich aus folgenden Zahlen jedenfalls nicht ableiten, eher eine Substitution des Radios als Audio-Musikquelle durch andere Musikquellen am Smartphone:

graph AAA

Musikmedien haben also durchaus Potential am Smartphone – der reine Radio-Simulcast weniger. Radio-Apps haben demnach Wachstumspotential, wenn sie verstärkt Musikangebote aufs Smartphone bringen – personalisiert, interaktiv (skipbar), und mit ansprechender visueller Oberfläche. Die Konkurrenz sind weniger die anderen Sender und deren Apps, als Pure-Streams (Spotify, Deezer, in den USA Pandora) – und hier hat die Radiobranche einen ungeheuren Aufholbedarf was User Interfaces, Big Data und Rechtefragen betrifft.

DAB, Streaming

Die Schweiz ist digitale Nummer 1

Aktuelle Zahlen aus der Schweiz belegen: Kein anderes Land ist bei der Transformation von Rundfunk auf digitale Verbreitungswege weiter. Und während in anderen Ländern fundamentalistisch über die Frage gestritten wird, ob Streaming überhaupt als Massenmedium tauglich ist, sorgen Streaming und DAB gemeinsam in der Schweiz für Rekordwerte:

Nach Angaben der Arbeitsgruppe DigiMig entfallen 22% des Radiokonsums auf Streaming, 23% auf DAB und 55% auf UKW. Und diese insgesamt 45% Marktanteil für digitale Verbreitung Weiterlesen

Streaming

Streamingkosten: Trend in Österreich zeigt weiterhin klar nach unten

Der Preiskampf unter den Mobilanbietern macht´s möglich: 3 GB auf 3G mit maximal 21 MBit/s um 9,90 Euro – gibt´s aktuell bei yess, der Discountschiende von A1.

Nicht zufällig der gleiche Preis wie bei HoT, in beiden Preisen sind zusätzlich 1000 Einheiten (beliebig aufteilbar auf SMS oder Sprachminuten) inkludiert.

Wie weit kommt man damit als streamender Radiohörer. Wenn wir von einem 96kBit AAC Stream ausgehen – der ja wegen nicht ausgespielten aber schon gebufferten Daten und eventuellen Begleitdaten ja einen Tick mehr verbraucht als 12kByte pro Sekunde), dann sind wir bei 2 Stunden und 20 Minuten pro Tag, die nur über mobiles Streaming gehört werden können.

Das ist deutlich mehr als der mobile Radiokonsum; der macht nämlich nur einen Bruchteil des gesamten Radiokonusms aus: In Österreich werden nach einer Auswertung der RMS 17% der gesamt gehörten Radiominuten im Auto konsumiert, und 5% außer Haus, ein Teil dieser 5% also auch mobil; der gesamte mobile Anteil liegt damit bei maximal 22%. Demgegenüber entfallen 54% auf „zu Hause gehört“ und 24% auf „in der Arbeit gehört“ – macht 78%, bei denen Festnetz-Internet zu Verfügung stehen.

Die Radiohördauer liegt in Österreich laut Radiotest 1. Halbjahr 2015 bei 193 Minuten; 22% mobile  Nutzungsdauer bedeuten knapp 43 Minuten – und damit nur rund 1 Gigabyte im Monat.

Natürlich kann man den Radiokonsum nicht komplett auf Streaming verlagern, will ja auch keiner. UKW funktioniert ja nach wie vor sehr gut. Aber: Das Argument der hohen Kosten für den Konsumenten ist ein Argument der Vergangenheit – was der deutsche Medienwissenschaftler Klaus Goldhammer bereits 2008 vorhergesagt hat. 

Streaming

Beats 1 – so Oldschool kann Apple sein

Die Lobestiraden für Apple´s Beat1 sind im Web unübersehbar, und so habe ich mir auch heute das neue Streamingprodukt angehört. Zuvor noch rasch das iPad upgedated, ins Auto verfrachtet, mit dem Nexus 5 einen Hotspot aufgebaut, das iPad damit verbunden, Blutooth Connection zum Autoradio – und los geht´s. (Ok, mit Apple Car Play und einem iPhone wäre es wohl nur ein Knopfdruck gewesen)

Mein Weg zur Arbeit sind etwa 20 Minuten, und um 0850 habe ich den Schluss von Charts aus Los Angeles gehört, und ab 0900 dann Julie Adenuga aus London. Dazwischen ein kleines Sendeloch, aber es ist ja auch weit….

Klingt alles recht excited, und natürlich hat Julie am Abend drei Stunden lang zu Hause alle Tweets durchgelesen, und freut sich drüber. Sagt sie, und klingt dabei sympathisch und glaubwürdig. Wirklich gutes Radio (pride and passion, glaubwürdig, gut positioniert), aber was völlig neues? Eine Revolution? Wäre das iPhone wie Beats 1 entstanden, hätte Apple lediglich die Menüstruktur von Nokia verbessert. Oder bessere Tasten als BlackBerry gebaut.

Technologisch ist Beats 1 100% oldschool. Reines Streaming mit einer Buffersize von etwa 65 Sekunden (das ist somit auch der Zeitversatz des „Live“ Produkts), ohne Internet spielt es gar nicht. Kein Zwischenspeichern von Tracks, kein objektorientieres progressive Downloading; ganz normales Streaming eines gut gemachten Radioprogramms. Technisch mindestens zwei Jahre hinter NPR One. Werbung gab´s übrigens keine; Verpackung in Maßen.

Auch die Schnittstelle zum Musikverkauf lahmt noch etwas: Teilweise ist Beats 1 selbst für Apple Music zu neu – und die Tracks stehen noch nicht zum Streaming bereit.

Fazit: Technisch wenig neues, Musikalisch schon, und wenn Hipster-Eltern mit ihren Millenial-Kids so erstmals erkennen, wie cool es ist, wenn man nicht nur Musik hört, sondern auch Menschen, die dazwischen reden, soll es für die Radio Branche nur gut sein.