Allgemein, Broad(?)cast, DAB

13,5% weniger Radiohörer – Erste Studie nach UKW Abschaltung in Norwegen veröffentlicht

Wie viele Hörer verliert Radio durch die Abschaltung von UKW? Gespannt hat praktisch die gesamte Radiowelt nach Norwegen geblickt – dort werden ja seit Jänner Gebiet für Gebiet die UKW Sender der landesweiten Radioprogramme abgeschaltet, um die kostspielige Doppelausstrahlung von DAB+ und UKW zu beenden.

Das erste Gebiet war dabei Nordland, und für dieses Gebiet liegen jetzt Zahlen einer Umfrage von TNS vor; diese Umfrage wurde im Auftrag der norwegischen Digitalradios (staatliche NRK, große Privatsender wie P4) im Februar 2017 durchgeführt – einen Monat nach der UKW-Abschaltung.

Die Zahl der Radiohörer ist demnach um 13.5% gesunken, und zwar von 74% auf 64%.

Bestätigt sich dieser Trend im gesamten Land Norwegen, dann könnte das für die Privatradios dort sogar eine gute Nachricht sein: Auf DAB+ entfallen die landesspezifisch hohen Lizenzgebühren, bei P4 ist das etwa eine Million Euro pro Jahr. Und die Einsparungen durch Entfall des UKW Netzwerks sind vermutlich noch etwas höher, sodass ein gewisser Rückgang bei den Hörerzahlen – und damit auch bei den Werbeeinnahmen – unter dem Strich noch immer für ein Plus sorgen kann.

Dazu kommt die Hoffnung, dass sich selbst hart gesottene DAB+ Verweigerer mit der Zeit doch noch die Digitalradios zulegen werden. Und von diesen gibt es nicht gerade wenige, wie eine aktuelle Studie von Response Analyze zeigt: 55% der Norweger finden noch immer, dass die UKW Abschaltung falsch war; nur 31% können der DAB+ Einführung etwas Positives abgewinnen. Und: 37% der norwegischen Haushalte haben nach wie vor kein DAB+ Radio, 32% haben eines und nur 30% haben mehr als eines, etwa zu Hause und im Auto.

Spannend ist, wie sich das auf die Nutzungszeit auswirkt, da sich ja die Radionutzung der meisten Hörer auf mehrere Empfangsgeräte (Radiowecker, Küchenradio, Autoradio etc.) aufteilt. Die Daten dafür gibt es, ist Norwegen doch eines der wenigen europäischen Länder, in dem Quoten kontinuierlich elektronisch gemessen werden; sie werden allerdings (noch) nicht veröffentlicht.

Allgemein, Broad(?)cast, Streaming

Smartphone vs. Radio Star – Edison Research stellt die Infinite Dial Studie 2017 vor.

Seit 20 Jahren untersucht die US Research&Beratungsfirma Edison Research die Transformation des Hörverhaltens der Amerikaner von Broadcast hin zu Streaming in den Infinite Dial Studien.

In einem Webinar wurde gestern abend die aktuelle Studie 2017 vorgestellt, einige Werte sind dabei über zwanzig Jahre getrackt worden.

Meine Takeaways:
> Smartphone vs. Radio-Star: Mit steigender Smartphoneadaption schrumpft die Reichweite linearen Radios
> Streaming wächst
> Pandora zieht bei den Jungen gegen Spotify den kürzeren
> Radio verliert bei Jungen die Musikkompetenz an Spotify
> Spotify kann bis jetzt gegen die Giganten Amazon, Google und Apple mehr als gut bestehen
> Alexa & Co sind das Next Big Thing für Radiosender
> Podcasting wächst, ist aber ein gutes Stück hinter seinem Hype
> Twitter kann sich auch in den USA nicht nachhaltig etablieren

Allgemein

UKW Abschaltung in Norwegen: Probleme mit DAB+ Empfang

Nach der UKW Abschaltung in Nordland, einer Provinz Norwegens, beklagen viele Radiohörer die schlechte Empfangsqualität des DAB+ Ensambles. Der größte kommerzielle TV Sender, TV2, berichtet darüber, dass viele Hörer schockiert wären über die DAB+ Qualität. 

Aber wie ist die Empfangssituation wirklich? Zum einen gibt es die offiziellen Karten der Sender, die in Nordland nur mehr über DAB+ zu empfangen sind: Die Karten von NRK und P4, abzurufen hier.

Nach diesen Karten sollte es im großen und ganzen keine Probleme geben. Die Nordland ansässige Lokalzeitung „Avisa Nordland“ wollte es genau wissen, und hat die Leser gebeten, selbst zu berichten, wie gut oder schlecht der DAB Empfang an ihrem Standort funktioniert. Das Ergebnis – hier abzurufen – sieht deutlich anders aus: Während etwa die 50.000 Einwohner zählende Stadt Bodo auf der Abdeckungskarte des NRK als komplett versorgt eingezeichnet ist, haben viele Leser von „Avisa Nordland“ Empfangsprobleme: Die Hälfte der 520 Empfangsberichte spricht zwar von gutem Empfang, ein Viertel jedoch von Störungen und das letzte Viertel hatte gar keinen DAB+ Empfang. (Stand 24.01., 17.00)

„Avisa Nordland“ hatte übrigens ursprünglich auf seiner Seite die Berichte seiner Hörer in die offizielle Karte des NRK eingezeichnet, um die Widersprüche sichtbar zu machen. Das kann die Zeitung jetzt nicht mehr – die Digitalradios pochen auf das Urheberrecht an der Karte und untersagen der Zeitung, ihre Abdeckungskarte zu verwenden…

 

 

 

Allgemein

UKW Abschaltung in Norwegen: Peinliche DAB+ Panne.

Die ganze Welt blickt derzeit gebannt nach Norwegen. Seit einer Woche ist im Landesteil Nordland der UKW Empfang abgeschaltet – damit die Bewohner auf Digitalradio DAB umsteigen. Dumm nur, dass ausgerechnet ein paar Tage nach der Abschaltung DAB ausgefallen ist,  wie norwegische Medien berichten. 

Der Defekt einer Glasfaser hat vergangenen Mittwoch DAB zum Verstummen gebracht – und damit in Nordland – mangels UKW – das Broadcast-Radio generell. Der Norwegische Rundfunk NRK, der größte Privatsender P4 und der Netzbetreiber Norkring wurden zu Kulturministerin Linda Hofstad Helleland zitiert. Ergebnis der Unterredung: Das Netzwerk wird mit Back-Up Kabeln verstärkt.

Nach Angaben des NRK hat der Ausfall drei Stunden gedauert.

Allgemein, Broad(?)cast, DAB, Streaming

Tesla und DAB+: Mit OS 8.0 wird alles gut.

Bislang war die Tesla Radio App für DAB+ eher was für begeisterte Hochfrequenztechniker: Zuerst musste der Hörer eingeben, welchen Multiplex er hören möchte (etwa 11D in Wien), erst danach konnte der Suchlauf gestartet werden. Für den normalen User eine unüberwindbare Hürde (wer soll sich schon 11D merken…).

Seit dieser Woche ist alles besser: Tesla hat auch in Europa das Betriebssystem auf 8.0 aktualisiert – und siehe da, ein wirklich nettes Plattform-agnostisches Radio hineingezaubert:

UKW, Streaming-Sender (via TuneIn) und DAB+ können nebeneinander auf den Stationstasten abgespeichert werden; in diesem Beispiel KRONEHIT und Ö3 via UKW, Big City via DAB+ und KRONEHIT German Hiphop via Streaming. So wird Content King – und der Verbreitungsweg spielt die Rolle, die er aus der Sicht des Hörers spielen muss: Er hat einfach zu funktionieren, und ansonsten ist er egal!

Broad(?)cast

Praxistest: HD Radio – das amerikanische DAB+

Vergangene Woche war ich den den USA – und hatte in meinem Mietauto HD-Radio eingebaut. Da ich nach der  NAB Radio Show  noch ein wenig Zeit hatte, bin ich von Nashville über North Carolina nach Myrtle Beach (SC) gefahren, um das Wochenende noch am Meer zu verbringen. Auf dem etwa 10-stündigen Road-Trip im Volvo V60 T5 AWD hatte ich die Möglichkeit, ausführlich HD-Radio zu hören.

route

HD Radio bringt – im Unterschied zu DAB+ – die digitalen Stationen im UKW Band zwischen 87,5 und 108 MHz unter – ohne dabei die bisherige Ausstrahlung von UKW Programmen einzuschränken. Auf dem Kanal eines analogen Hörfungprogramms haben die digitale Simultanausstrahlung des Programms sowie bis zu drei zusätzliche Digitalradioprogramme Platz.

So unterschiedlich die Technologie, so ähnlich die Erfolgskurve: HD-Radio ist etwa ähnlich erfolgreich (oder erfolglos), wie DAB+ in Deutschland. Wenige Konsumenten interessieren sich dafür, Smartphones und Streaming haben jeweils höhere Nutzung und Bekanntheit. Trotzdem gibt es in beiden Fällen bereits etliche Millionen verkaufte Exemplare, sodass erste Geschäftsmodelle in Reichweite rücken. In den USA spricht der Eigentümer der proprietären HD-Radio Technologie DTS von 40% Marktanteil in neuen Fahrzeugen; in einigen Gegenden wie Miami sollen schon 20% des Gesamtbestands an Autos mit HD-Radio ausgestattet sein.

DTS Chef Jon Kirchner hat auf der Radio Show allerdings das mangelnde Programmangebot beklagt, und hofft auf neue Investitionen der Programmbetreiber. Bislang wird HD Radio – nach einer Anfangseuphorie vor zehn Jahren – eher stiefmütterlich behandelt: Non-Stop Musikstationen ohne viel Marketing, Simulcast von Mittelwellen-Talksendern und Ausstrahlung von BBC Worldservice über einige NPR Stationen – das waren die Highlights, die mir auf meinem Roadtrip aufgefallen sind.

img_20160923_133320

Der Weg zu HD Radio ist für den Hörer aber auch etwas holprig. Zuerst muss er wissen, auf welchem analogen Radiokanal welche digitalen Programme „versteckt sind“. Dann muss er dieses Programm für etwa 7 Sekunden hören, danach erkennt der Tuner, dass die HD-Kanäle vorhanden sind, und danach kann man auf den HD-2, HD-3 oder HD-4 Sidechannel wechseln. Aber nur, wenn die Qualität des Signals gut genug ist. Im Bild oben ist sie es – die Farbe des HD Radios hat sich von weiß auf orange geändert, der HD-2 Kanal ist verfügbar. Wäre Spotify so aufgebaut, wäre es wohl kaum ein Erfolg geworden.

Das ist durchaus schade – denn die Idee, die Anzahl der Kanäle innerhalb des UKW Bands zu vervielfachen, ohne zusätzliche Kanäle wie etwa bei DAB/DAB+ zu belegen, ist mehr als reizvoll. Und manchmal funktioniert es auch, wie bei WJMZ:

img_20160923_140756

WJMZ spielt Adult R&B, auf HD2 gibt es Alternative Rock, auf HD3 mit „Chuck FM“ die lokale Version eines Jack/Bob FM-artigen-„we play what we want“-Classic Rock in coolem Gewand-Format. Und auf HD 4 der Simulcast von WTHZ, einer Urban-CHR Station aus einem benachbarten Sendegebiet. Alles natürlich stark komprimiert, aber mit gutem Processing durchaus anhörbar.

Die Navigation zu WTHZ ist allerdings was für Profis: Zuerst WJMZ einstellen, sieben Sekunden warten, dann dreimal auf den nächsten Sender weiterspringen, eine Sekunde warten, bis das HD-Signal gebuffert ist, und schon geht es los…für Normalbürger schwer zumutbar.

Mein Fazit: Gute Idee, schlechte Signalstabilität, und vor allem schlechte Navigation: Das Autoradio müsste in jeder Metro Area ein zentrales Programmdirectory bekommen, um dem User die Kanäle gezielt nach Name oder Genre aus Programmlisten anzubieten. Gleichzeitig sollten klare Marken auf HD senden (Disney, ESPN, CNN, Fox etc.), um den Usern klare Gründe zu geben, das Produkt auch zu nutzen.

Allgemein

Media-Analyse Audio – wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Mit den aktuellen Daten der Media Analyse Audio gibt es erstmalig eine konvergente Messung von UKW und Streamingradio. Schon bisher wurden Reichweiten für UKW und für Streamingradio veröffentlicht; wenn man aber wissen wollte, wie viele Hörer eines UKW-Programms auch den Stream des Programms hören, oder umgekehrt, wie viele nur UKW oder nur Stream hören, war man bislang auf mehr oder minder schlechte Schätzungen angewiesen.

Die Frage, wie viele zusätzliche Hörer ein Sender über den Stream erreichen kann, die er über UKW nicht erreicht, ist vor allem im Werbeverkauf relevant: Oft haben Agenturen argumentiert: „Wir buchen Spotify, aber nicht digitale Spots bei Radio-Angeboten, weil deren Hörer erreichen wir ohnedies über UKW, die Spotify Hörer nicht.“ Das war lange Zeit natürlich auch durch keinerlei Zahlen belegt (erst im Sommer diesen Jahres hat Spotify seine eigene Brutto/Nettoreichweitenzahlen veröffentlicht).

Oder anders gesagt: Die aktuelle Mediaanalyse gibt erstmals eine Antwort auf die Frage, um wie viel die Nettoreichweite eines Senders steigt, wenn man nicht nur UKW sondern auch in den Streams der Sender Werbung bucht.

Insgesamt hören pro Woche 59.071.000 Menschen in Deutschland Sender mit Radiowerbung (UKW+Stream), 2.142.000 hören pro Woche Webstreams mit Werbung, die in der AGMA erfasst werden. Betrachtet man UKW alleine, sind es 59.000.000 Hörer. Der Gewinn an Nettoreichweite auf Wochenbasis sind somit 71.000 Hörer; das bedeutet, dass nur etwa 3% der Webradiohörer als Nettoreichweite dazukommen; 97% der Webradiohörer hören – zumindest einmal in der Woche – auch UKW.

Anders präsentiert sich die Situation bei einer markenweisen  Betrachtung, hier am Beispiel der Energy-Kombis.

Radio Energy erreicht in der City Kombi pro Tag 913.000 Hörer über UKW, mit den Streams sind es 934.000 – die Nettoreichweite steigt durch die Streams um 21.000. Die Energy Streams (Simulcast + Webradio) erreichen gemeinsam 28.000 – das bedeutet: 75% der Energy Stream Hörer haben an diesem Tag Energy nur über Stream konsumiert, 25% haben Stream + UKW gehört. Wöchentlich sieht es so aus: 2.317.000 Hörer pro Woche für UKW, 2.379.000 für UKW und Stream gemeinsam, ergibt eine Steigerung der Nettoreichweite um 62.000. 117.000 Hörer haben insgesamt Energy Streams gehört; damit haben 54% der Stream Hörer Energy nur über Stream und nicht über UKW gehört – das bedeutet, dass über die Hälfte der Energy Streamhörer zur Nettoreichweite hinzugezählt werden können.

Genaue Ergebnisse können natürlich nur Zählungen anhand von Schaltplänen ergeben, die Zahlen von Radio Energy deuten jedoch klar darauf hin, dass die Investition in Streamingspots (Preroll, Midroll) die Nettoreichweite klar erhöht; als Schätzwert kann man mal die halbe Bruttoreichweite der Streamhörer annehmen.