Broad(?)cast, DAB

Digitalisierungsbericht: DAB in Deutschland wächst, aber langsamer

Mit Spannung wurde er erwartet – jetzt ist er da: Jeder erwartet sich vom Digitalisierungsbericht die Antwort auf die Frage: „Setzt sich nun DAB in Deutschland durch, oder nicht?“

Und wie praktisch jedes Jahr gibt es jede Menge Aussendungen von DAB Befürwortern, oder DAB Gegnern. Befürworter sehen dieses Jahr den Durchbruch – so wie auch in den letzten Jahren, Gegner sehen DAB nach wie vor als gescheitert an. Ich weiß es nicht.

Hier eine Analyse der DAB-spezifischen Zahlen aus dem Bericht, und ich konzentriere mich dabei auf das Wachstum.

In Summe werden drei verschiedene Werte für die letzten drei Jahre abgefragt und auch veröffentlicht:

1. – Geräteausstattung (= wie viele Geräte sind im Umlauf)

Dabei zeigt sich folgender Zuwachs von 2014 auf 2015; in Klammer 2013 auf 2014

DAB: +1,4 Millionen (+2,2 Millionen)

DAB ist also gewachsen, aber schwächer als zuvor.

2. – Zumindest gelegentlicher Empfang

DAB: +2,9 Prozentpunkte (+2,9 Prozentpunkte)

DAB ist unverändert gewachsen.

3. – Meist genutzte Empfangsart

DAB: +0,7 Prozentpunkte (+0,6 Prozentpunkte)

Auch hier ist DAB unverändert (linear) gewachsen.

Einen vierten Wert bekommt man, wenn man etwas tiefer ins Archiv greift: Auch 2013 gab es einen Digitalisierungsbericht, hier wurde die Zahl der Haushalte mit DAB Empfang ausgewiesen. Im 2015er Bericht fehlt die 2013er Zahl, da ist nur die 2014er und 2015er:

Die Wachstumsraten in der Haushaltsausstattung (Wie viele Haushalte haben DAB) sind damit so:

2014 auf 2015: Plus 2,5 Prozentpunkte, 2013 auf 2014: Plus 3 Prozentpunkte. Das Wachstum ist damit hier leicht rückläufig.

Da die letzten beiden Jahre das Wachstum (DAB freundlich gesehen) in allen vier Werten linear war, kann man es ja auch mal linear extrapolieren: Bis DAB UKW als meist genutzte Empfangsart ablöst, wird es demnach sehr lange dauern – bei allen drei Werten Jahrzehnte.

DAB wächst, aber langsam und zäh, es sieht im Moment nicht danach aus, dass DAB ohne UKW Abschaltung in ökonomisch sinnvoller Zeit der dominante Übertragungsweg wird. Stellt man die DAB Einführung über die Interessen der Sender und der Hörer, kann man natürlich mit einer UKW Abschaltung die DAB Rate steigern. Stellt man die Interessen von Hörern und Sendern an erste Stelle, ist DAB aus heutiger Sicht noch immer kein Geschäft, das in absehbarer Zeit durch Werbung refinanzierbar wird.

Aber das kann sich ja mit dem Digitalisierungsbericht 2016 alles ändern, oder?

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