Broad(?)cast, DAB

DAB+ braucht viel Frequenzspektrum für wenige Programme

Aus der losen Serie – DAB(+) Mythen und die Wirklichkeit: Spektrale Effizienz. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich die Frage, wie viele Radioprogramme wie viele Megaherz an Bandbreite verbrauchen.

Als Beispiel: Auf UKW in Wien lassen sich 15 Ortssender empfangen, das UKW Band geht von 87,5 MHz bis 108 MHz, macht also 20,5 MHz Bandbreite, ein Programm braucht damit rein rechnerisch 1,36 MHz (technisch wären nur 0,4 MHz notwendig, aber die eher ineffiziente Planung führt zu dieser Verschwendung).

Auf DAB+ bringen wir auf einem Kanal mit der Bandbreite von 1,7 MHz immerhin 16 Programme unter, macht 0,1 MHz pro Kanal; DAB+ ist damit viermal effizienter als UKW.

Soweit die gute Nachricht.

Vergleicht man aber die spektrale Effizienz von DAB mit anderen digitalen Übertragungsverfahren, so schaut die Sache schon anders aus. Digitale Empfangswege lassen sich – in Sachen spektraler Effizienz – einfach durch die übertragenen Bit/s  pro Hz vergleichen: Je mehr Daten ich pro Bandbreite unterbringe, desto effizienter wird es.

DAB erreicht hier einen Wert von 0,34 bis 0,67 bit/s/Hz – wenn Gleichwelle (für größere Sendegebiete) verwendet wird.

DVB-T erreicht ohne Gleichwelle 0,55; mit Gleichwelle typischerweise 2,8 – setzt aber beim mobilen Empfang in der Regel einen Tuner mit zwei Antenneneingängen voraus, hat also höheren Hardwareaufwand. Ist aber bei den meisten Autos, die DVB-T haben, ohnedies so verbaut.

LTE Broadcast (ebenfalls mit Gleichwelle) kommt laut Qualcom auf 2 bit/s/Hz, wäre damit etwa viermal effizienter als DAB – und auf Handys und Tablets empfangbar; auch mobiler Empfang stellt kein Problem dar.

Sollte man sich nicht damit mehr auseinandersetzen? Die EU Kommission hat das bereits getan – und hier einen interessanten Report veröffentlicht.

Fazit: Die Konvergenz von Broadcast und Broadband via LTE wird kommen – und das Window of Opportunity für DAB schließt sich.

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