Broad(?)cast, DAB

„DAB rentiert sich nicht in 50 Jahren“: Schweden will UKW jetzt doch nicht mehr abdrehen

Schweden bleibt bei UKW. Das hat die rot-grüne Regierungskoalition in Stockholm diese Woche beschlossen, berichtet der Radioconsulter „Radio Intelligence“.

Zu einem späteren Zeitpunkt sei die Digitalisierung jedoch weiterhin denkbar, so der Artikel weiter. Ursache für die Abkehr von der zwangsweisen DAB Einführung ist ein bereits im März veröffentlichter Bericht  des schwedischen Rechnungshofs, Riksrevisionen (National Audit Office, oder kurz: NAO).

Die Argumente des schwedischen Rechnungshofs sind dabei auch für Österreich spannend, zwei davon im folgenden:

1) Wahrscheinlich wird Internet die Entwicklung bestimmen, DAB+ bleibt eine Inseltechnologie: „According to technical experts there are good reasons to believe that internet-based technology will dominate developments and various technologies will merge. DAB+ technology is, however, a separate system that is not included in this development.“

2) Frequenzökonomie: Der derzeit für UKW verwendete Bereich setzt lange Antennen voraus, und die sind bei Smartphones und Tablets wenig attraktiv, so der Rechnungshof im schwedischen Originalbericht (Seite 62): „Mobilindustrin är knappast intresserad, eftersom antennerna i detta frekvensband är stora och opraktiska för mobila enheter som surfplattor och smarttelefoner.“ (The mobile industry is hardly interested, because the antennas in this band are large and impractical for mobile devices like tablets and smart phones).

Ein kleiner physikalischer Exkurs dazu: Die Länge einer Antenne hängt linear von der Wellenlänge ab; die Wellenlänge ist proportional zum Kehrwert der Frequenz (Wellenlänge = Lichtgeschwindigkeit/Frequenz); ist eine Frequenz 10-mal höher als eine andere, braucht sie eine 10-mal kleinere Antenne. Handys operieren in höheren Frequenzbereichen (ab 800 MHz), brauchen daher 8-mal kleinere Antennen als wenn sie im UKW Bereich operieren würden. Oder anders gesagt: Ein iPhone für das UKW Frequenzband wäre ziemlich unhandlich.

Während es für die digitale Nachnutzung eines abgeschalteten UKW Bandes also kein Szenario gibt, ist das DAB Band (Band III, in Schweden 174-240 MHz) durchaus attraktiv: Nämlich um digitales terrestrisches Fernsehen (DVB, DVB-T2) darin unterzubringen. Damit könnte nämlich das terrestrische Fernsehen wiederum höhere Frequenzen freimachen (um die 700 MHz), und damit wieder neue Frequenzen für den Mobilfunk freigemacht werden, die (weil um die 700 MHz) für Handys und Tablets nutzbar wären.

Zusammengefasst: Band II (87,5-108 MHz) bleibt UKW, DAB (Band III) wird für Fernsehen verwendet und damit werden wieder ein paar UHF Kanäle, die jetzt noch von Fernsehen genutzt werden, frei – und an Mobilfunker versteigert: „Samtidigt kan en del av det nuvarande frekvensutrymmet för digital-tv användas för mobilt bredband.“ (At the same time part of the current frequency space for digital television is used for mobile broadband).

Was bedeutet das für Österreich?

Wenn wir in Österreich den Hörfunk von UKW in DAB verlagern, passiert folgendes: Wir gewinnen 20,5 MHz Bandbreite im UKW Bereich (87,5-108 MHz, auch Band II genannt), und nutzen stattdessen für Hörfunk das Band III – 174 bis 230 MHz. Das sind 56 MHz Bandbreite.

Verwenden wir das Band III für Fernsehen und machen dafür andere, höhere Frequenzen frei (im UHF Band), die jetzt für Fernsehen verwendet werden, können wir im UHF Band 56 MHz frei machen – die dann an Mobilfunker versteigert werden können. Als Anhaltspunkt, was das bringen könnte, das Ergebnis der letzten Versteigerung: Da wurden 72 MHz aus dem TV Spektrum in Österreich um 2 Milliarden Euro an Mobilfunker versteigert, die 56 MHz wären damit gut 1,5 Milliarden Euro wert. Wenn wir DAB machen, und irgendwann UKW abschalten, wird das UKW Band frei, für das es keine Nachnutzungsszenarien – und damit auch keine Erlöse – gibt.

Mit der Einführung von DAB entgehen damit dem Staat (basierend auf der ersten LTE Auktion) 1,5 Milliarden Euro.

Der schwedische Rechnungshof hält jedenfalls fest: „The estimate does not cover all aspects, but indicates that a transition to terrestrial digital radio will entail macroeconomic risks and that it will probably not be cost-effective for the national economy, not even in a 50-year perspective, if the digital radio coordinator’s plan is followed“.

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